Wasser mit Whisky

May 29th, 2014 | By | Category: Herstellung

Safe water drink whisky mit wasserWer jetzt denkt, er liest nicht richtig, der irrt. Der Titel des Beitrages passt genau so, wie er dort steht. Ich möchte heute weniger über Whisky mit Wasser schreiben, eher über Wasser mit Whisky. Zugegeben, das könnte ein Thema für eingefleischtere Whiskygenießer werden, aber ich finde es interessant genug, ein paar Worte darüber zu verlieren. Doch worum geht es? Normalerweise gibt man ein paar Tropfen Wasser in einen Whisky, um den Alkoholgehalt zu reduzieren oder um Aromen freizusetzen. Normalerweise. Ich habe das ganze umgedreht und nur ein paar Tropfen Whisky ins Wasserglas gegeben. Mit teilweise erstaunlichen Folgen.

Zur Vorgeschichte: Wenn ich abends einfach einen Single Malt genießen möchte, ohne ihn groß zu verkosten, landet der Dram nicht in einem Glencairn-Glas, sondern in einem ordinären Tumbler. So wie der Glenlivet Nàdurra heute Abend. Je nach dem Grad des Zitterns meiner Hand kann aber schon mal der eine oder andere Zentiliter mehr ins Glas kommen – naja, die Ration muss ja auch für den ganzen Abend reichen. Dazu kommt, dass jeder Dram von einem Glas Leitungswasser begleitet wird. Das lindert schlicht die ungenüsslichen Folgen des Genusses am nächsten Tag. Ist der Abend dann vorbei, wird der Whiskytumbler noch mit Leitungswasser ausgespült, damit es am nächsten Morgen in der Küche nicht nach Alkohol stinkt. Irgendwann habe ich mir auch angewöhnt, das Ausspülwasser des Tumbler noch zu trinken – ein wenig mehr alkoholfreie Flüssigkeit kann ja nicht schaden.

Doch wenn der Abend kürzer war, als das Zittern der Hand es vorgesehen hat, oder wenn der Single Malt einfach nicht gut genug geschmeckt hat, dann bleibt manchmal ein Rest Whisky im Tumbler übrig, mal mehr, mal weniger. Den schütte ich jedoch nicht aus, sondern fülle das Glas einfach wieder mit etwa 10 cl (sehr kalkhaltigem) Ausspülwasser, d.h. etwa ein halbes Glas. Und der Whiskyrest wird auf diese Weise dennoch getrunken, ich will ja nichts verschwenden 😉

Wie gesagt, das Ergebnis ist erstaunlich und überraschend. Ich weiß nur nicht genau, wie ich es interpretieren soll. Hoffentlich kann ich an dieser Stelle fachkundige Unterstützung/Erfahrung/Tipps bekommen. Wofür habe ich denn sonst diesen Blog, wenn ich mich nicht mit Gleichgesinnten austauschen wollte?!

Mischt man wenige Tropfen (d.h. weniger als 1 cl) eines Single Malts mit 10 cl Leitungswasser, dann sollte man eigentlich davon ausgehen, dass nicht mehr viel Aroma des Whiskys übrig bleibt. Doch genau hier muss ich widersprechen. Denn egal ob man einen rauchigen Ardbeg oder einen milden Auchentoshan auf diese Weise verdünnt, es bleibt in den vielen Fällen ein gutes Stück Geschmack übrig. Zwar ist die Tiefe des unverdünnten Malts im Wasserwhisky komplett verschwunden (wen wundert’s?) und auch Nase und Finish werden nur noch durch homöopathische Dosierungen belastet, aber man kann im Mund noch deutliche Aromen wahrnehmen.

Soll ich diese Aromen jetzt ‘Kernaromen’ nennen? Ich weiß es nicht. Schließlich zeigte sich in meinen aufopferungsvoll durchgeführten Selbstversuchen bisher, dass die Aromen des ‘Whiskys’, der mit einem ordentlichen Schuss Wasser verdünnt wurde, nicht unbedingt in der Aromenphalanx des puren Whiskys enthalten sein müssen oder dort nur im Hintergrund auf sich aufmerksam machen konnten.

In der Regel geht es auch nur um ein Aroma, das sich im verdünnten Zustand herauskristallisiert. Rauchige Noten habe ich – glaube ich jedenfalls, hab’ hierfür ja keine Verkostungsnotizen gemacht – überraschenderweise noch nie im verdünnten Wasserwhisky gehabt. Überraschend ist dies für mich deswegen, da rauchigen Noten einen unverdünnten Single Malt bekanntlich mehr als prägen können. Häufig zeigten sich hingegen buttrige und reife fruchtige Aromen, öfters auch Vanille und Malz. Zudem büßt die Farbe des Whiskys nach der Verwässerung bei vielen Abfüllungen erstaunlich wenig von ihrer Pracht ein.

Nur: Warum gerade diese Noten? Woher kommen sie und warum bleiben sie? Zeigt sich in einem Wasserwhisky der wahre Charakter einer Abfüllung oder wie soll ich das verstehen? Und wie geht das mit der Farbe?

Wer kann mir das erklären? Egal ob chemisch oder verständlich, alle Antworten sind willkommen.

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