Geschickt geschickt

VersandkartonNatürlich kaufe ich mir gelegentlich (meine Frau würde hier sicher ein anderes Wort wählen) die eine oder andere Flasche Whisky. Der lokale Händler meines Vertrauens ist zwar ein sehr netter Mensch mit gutem Sachverstand, bei dem ich gerne kaufe und zwischendurch auch nur mal zum Plausch reinschaue. Doch rein ökonomisch und von der Auswahl her liegt das nicht immer im Bereich des Sinnvollen. Darum bestelle ich Whisky häufiger mal bei Onlineshops, sowohl im Inland als auch im Ausland. Der Whisky wird dann mit der Post oder anderen Transportdienstleistern verschickt und – nicht unwichtig – erreicht mich in den allermeisten Fällen gänzlich unbeschädigt. Dafür sorgt eine gute Verpackung zum Schutz der Flaschen. Doch manchmal habe ich den Eindruck, dass der Versender sein Glück und meine Geduld ziemlich strapaziert…

Fange ich einfach mal bei der äußeren Verpackung an. Anderes als einen Karton habe ich hier nur einmal gesehen. Da bekam ich ein Paket von Privat, das aus mehreren Lagen Papier, Luftpolsterfolie und Klebeband bestand. Zu dieser „Verpackungstechnik“ später mehr, zunächst geht es um Pappkartons – Faltkartons um genau zu sein.

Ein Pappkarton hat in seiner endgültigen Versandform die blöde logistische Angewohnheit, in seinem Inneren viel Luft zu enthalten. Das nimmt viel Lagerplatz in Anspruch, was findige Erfinder dazu gebracht hat, Faltkartons zu entwickeln. Diese liegen vor der Nutzung nur flach gestapelt aufeinander. Prima Sache soweit. Für den Versand müssen diese Kartons zusammengefaltet werden, wozu man bei manchen Typen offensichtlich ein Origami-Diplom haben muss. Egal, ich muss ja nicht falten. Um den Karton in seiner endgültigen Form zu halten, wird zunächst der Boden mit Klebeband verschlossen. Ist dann die Flasche drin, wird auch der Deckel verklebt.

Hier kommt es zur ersten Verwunderung. Warum reicht am Boden ein einzelner Streifen Klebeband aus, wenn der Versender meint, den Deckel zur Sicherheit mehrlagig kreuz und quer verkleben zu müssen? Komisch, oder?

Die Art des Klebebandes wirkt sich hingegen mit Sicherheit auf die Sicherheit aus. Die Spannweite reicht von günstigem dünnen Paketklebeband, das kaum das Abreißen von der Rolle überlebt und auch entsprechende Klebeeigenschaften hat, über dickere Versionen bis hin zu faserverstärkten Klebebändern. Manche verschnüren das verschlossene Paket zusätzlich noch mit Spannbändern aus Kunststoff. Zur Erinnerung: das sind diese ellenlangen, widerspenstigen Plastikstreifen, die einem nach der Entsorgung immer wieder aus dem Mülleimer entgegen springen.

Nicht so schön finde ich in diesem Zusammenhang Klebeband (oder andere Aufkleber), das den Firmennamen des Shops deutlich aufgedruckt hat und damit auf den Inhalt der Sendung schließen lässt. Das kann Dritte dazu (ver)führen, sich den Inhalt genauer anzusehen und gegebenenfalls zuzugreifen. Ob Klebebänder oder Aufkleber mit dem Hinweis „zerbrechlich“ Sinn machen, lasse ich dahin gestellt. Hierüber habe ich bereits im Beitrag „Transportversicherungen“ mehr geschrieben. Immerhin scheint dieser Hinweis nicht zu schaden, solange die Mitarbeiter des Transportdienstleisters keinen fragwürdigen Sinn für Humor haben.

Für den Versand zerbrechlicher Güter, wie Whiskyflaschen es sind, sollte man auch einen Karton aus stabiler Pappe wählen. Kartons des weltweit führenden Onlineversandhandels vom „langen Fluss“ halte ich hierfür für weniger geeignet, weil die Pappe einfach zu dünn ist. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich dort nie Whisky bestellt habe und damit auch nicht sagen kann, ob Flaschen besser verpackt werden. Von anderen Versendern wird vielfach auf Kartonsets zurückgegriffen, bei denen der an sich schon stabile Karton doppelwandig aufgebaut ist, meist in Form eines Inlays. Hierdurch sind wenigstens die Seiten der Flaschen geschützt. Man muss nur daran denken, dass Flaschen auch ein oberes und ein unteres Ende haben und die Kartons entsprechend ausfüllen.

Stichwort „ausfüllen“. Das Füllmaterial hat eigentlich nur drei wesentliche Aufgaben:

  1. Die Position der Flasche im Karton sichern
  2. Den Druck auf die Flasche von außen reduzieren
  3. Flaschen und deren Kartons vor Kratzern u.ä. schützen

Den Phantasien der Versender scheinen jedoch hinsichtlich der Materialwahl kaum Grenzen gesetzt. Hier eine Auswahl dessen, was ich schon aus Kartons gezogen habe:

  • (Zeitungs)Papier:
    Zusammengeknubbelt ist es bei kleineren Sendungen von Privat recht beliebt. Solange der Inhalt einer Sendung nicht zu schwer ist, wirkt das auch ganz gut. Bei schwerem Inhalt muss man bedenken, dass sich das geknubbelte Papier während des Transportes unter der Last des Kartoninhaltes weiter zusammendrücken kann und damit der Inhalt nicht mehr sicher (= unbeweglich) im Karton liegt.
  • Verpackungsflocken bzw. Chips aus Styropor:
    Gibt es in allen Formen und Farben. Kann man gut verwenden, um nicht allzu große Hohlräume auszufüllen. Flaschen ungeschützt nur in Styroporflocken zu legen, halte ich für ungünstig, da die Flocken zueinander keinen Verbund haben und Flaschen ohne Geschenkkarton oder Röhre sich im transportierten Karton durch die Flocken hindurch den Weg zum Karton suchen können und damit nur noch durch Pappe geschützt sind.
  • Styroporverpackungen:
    Sicherlich nicht ganz günstig und durch ihre feste Form mitunter auch unflexibel, aber durch ihre innere Aussparung in Flaschenform recht sicher. Es gibt verschiedene Arten dieser Verpackungen, wodurch man Flaschen in Standardformat sowohl mit als auch ohne Geschenkkarton oder Röhre versenden kann.
  • Luftpolsterfolie:
    Ist mehrlagig verwendet sicherlich ein sehr probates und günstiges Mittel, um die drei vorgenannten Aufgaben des Füllmaterials zu erfüllen. Ist eine Flasche gut umwickelt, können Hohlräume im Karton mit Styroporflocken ausgefüllt werden. Luftpolsterfolie gibt es im mehreren Varianten, anfangen mit Folien mit kleinen voneinander getrennten Blasen (die wohl bekannteste Version), über größere Blasen (die reihenweise miteinander verbunden sein können), bis hin zu handgroßen Lufttaschen. Mit ansteigender Größe der Blasen steigt natürlich auch das Risiko, dass beschädigte Blasengruppen den Schutz der Flasche übermäßig verringern. Ich habe es beispielsweise noch kein Paket geöffnet, in dem noch alle großen Lufttaschen intakt waren.
  • Luftpolstertaschen:
    Die sogenannten AirBags bestehen aus mehreren parallel zueinander angeordneten Luftkanälen, die nach dem Einsetzen einer Flasche aufgepumpt werden. In meinen Augen ist das eine gute Alternative zu Luftpolsterfolien, da die Taschen platzsparend entsorgt werden können, wenn man die Luftkanäle ansticht. Da die Plastikfolie recht dick ist, sollte die Gefahr der Beschädigung der Taschen in einem Karton ohne spitze Gegenstände gering sein. Und da die Luftkanäle unabhängig voneinander die Luft verlieren, können es gerne 1 oder 2 davon tun, bevor der Schutz verloren geht.
  • Papierfasern:
    Zu Streifen makuliertes Altpapier hat vielleicht aus ökologischen Gesichtspunkten eine Daseinsberechtigung, doch ist es für den Empfänger von Paketen eine Untat. Solche Pakete sollte man nur im Freien auspacken, da man ansonsten das Wohnzimmer oder die Küche komplett entstauben darf.
  • Pappefasern:
    Sind sehr stabil und demnach auch sicher für das grobe Ausfüllen von Kartons. Nur deren Entsorgung ist beschwerlich, da sie recht sperrig sind und fast so viel Dreck hinterlassen wie Papierfasern.
  • Holzfasern:
    Sind möglicherweise nicht ganz so schlimm wie Papierfasern, weil sie beim Auspacken etwas weniger stauben. Schön ist aber auch hier anderes.
  • Verpackungsflocken aus Naturmaterial:
    Werden oft aus Maisstärke oder Kartoffelstärke hergestellt. Ökologisch gesehen kann man wohl kaum etwas gegen diese Art des Füllmaterials einwenden, doch muss man sie als Anwender auf einer Dreck-mach-Skala noch über Papierfasern einordnen.
  • Styroporstücke:
    Zerbrochene Verpackungsstücke, die im Karton um die Flaschen herum gelegt werden. Bei geschickter Platzierung ist das versandtechnisch sicherlich nicht unsicher, es schlägt aber anwendungstechnisch noch Verpackungsflocken aus Stärke. Oder weiß jemand, wie man abgebrochene und elektrostatisch aufgeladene Styroporkügelchen zeit- und nervensparend entfernen kann?
  • Pappe oder Karton:
    Kann man eigentlich nur zur Verstärkung der äußeren Pakethülle verwenden. Für eine dämpfenden Schutz der Flasche selber sind Karton bzw. Pappe wegen ihrer Steifigkeit kaum geeignet.

Wer sich nun über die Argumente wundert, die ich teilweise für und gegen bestimmte Füllmaterialien anführe, möge wissen, dass ich Verpackungsmaterial vor der Entsorgung trenne. Pappe für sich, Papier für sich, Kunststoff für sich. Oder ich verwende es für Flaschen, die ich selber verschicke. Der Umwelt zuliebe.

Um aber noch einmal auf die Eingangs erwähnte „Verpackungstechnik“, kombiniert mit der Trennung von Rohstoffen, zurückzukommen… Verbundverpackungen aus Papier, Luftpolsterfolie und Klebeband sind mir ein Graus. Trennen kann man diese Materialien nicht und, noch viel schlimmer, solch eine Verpackung kann man kaum mit einem Messer öffnen, ohne den Inhalt zu beschädigen. Bei hochwertigen Flaschen ist das wirklich ein Ärgernis.

Gutes Füllmaterial im Versandkarton ist jedoch nicht alles, denn ein guter Schutz eines Sendungsinhaltes hört nicht bei der Flasche auf, sondern sollte auch Geschenkkartons und Röhren mit einbeziehen. Auch hier bekomme ich gelegentlich Pakete, wo das schief geht. Sogenannte Geschenkkartons, insbesondere die mit Plastikfenster z.B. von Gordon & MacPhail, die nur aus dünner Pappe bestehen, sollten soweit möglich vor dem Versand einer Flasche zusammengefaltet neben die Flasche in den Versandkarton gesteckt werden. Befindet sich die Flasche in einem Geschenkkarton kann dieser beim Transport Schaden nehmen, wenn man den Geschenkkarton um die Flasche herum nicht ausreichend polstert. Gleiches gilt für Röhren. Auch in diesen sollte die Flasche sich nicht bewegen können. Tut sie es doch, kann man fast damit rechnen, dass der Deckel der Röhre verbeult ankommt und irgendwo im Karton liegt. Dann rutscht am Ende die Flasche so weit aus der Röhre, dass diese sie auch nicht mehr schützen kann.

So weit meine Gedanken zum geschickten Schicken von Flaschen – in der Hoffnung, dass der eine oder andere Händler hier mitliest und seine Versandmethoden gegebenenfalls optimiert.

Und noch ein letzter (wichtiger) Satz: Die Aussagen in diesem Beitrag leiten sich alleine aus meinen Erfahrungen ab und basieren nicht auf wissenschaftlichen Untersuchungen, Vorschriften o.ä. Ich möchte nur Anregungen aus Empfängersicht geben und kann keine Haftung für hieraus abgeleitete Schäden übernehmen.

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