Whiskyreise – Teil 2: Ostküste

Jul 19th, 2019 | By | Category: Geschichte(n)

Schottlands Landkarte in NationalfarbenDie Fahrt von Edinburgh nach Craigellachie im Herzen der Speyside führte uns auf ausdrücklichen Wunsch von Martin zunächst einmal zum weltbekannten Golfclub in St. Andrews. Um zu Hause zeigen zu können, dass er in St. Andrews Golf gespielt hatte, quatschte Martin einfach ein paar Golfer an, die sich noch auf ihre Runde vorbereiteten, ob sie ihm nicht kurz einen Ball und einen Schläger leihen könnten. Ein Japaner willigte ein, Martin stand am Abschlag und tat so als ob er einen ersten Ball schlagen würde. Ich habe jede Menge Fotos von ihm in allen Stellungen gemacht, der Japaner hat sich wohl nur gewundert, aber Martin war glücklich.

Danach wollte Martin noch einen Ball als Andenken mitnehmen. Im Shop gab es nichts zu einem vernünftigen Preis, also versuchte er sich als Ballspürhund im Rough der nächstgelegenen Bahn. Klaus und ich hielten geduldig einen gesunden Abstand von Martin, damit man ihn nicht mit uns in kompromittierende Verbindung bringen konnte. Es endete damit, dass Martin einen Spieler fragte, ob er nicht einen Ball aus einem Wasserlauf fischen könnte, den der Spieler dort versenkt hatte. Es gelang und Martin war noch glücklicher.

Die Zeit war schon etwas fortgeschritten und wir hatten noch einen langen Weg vor uns. Darum strich ich das Zentrum von St. Andrews und die Kingsbarn Destille von unserer Besuchsliste und wir machten uns direkt auf den Weg weiter nach Norden. Guardbridge und Eden Mill lagen auf dem Weg und bei einem kurzen Stop kaufte ich deren Hip Flask #10 dort im Shop. Die neueren Abfüllungen 11 und 12 waren schon ausverkauft, weil es nur eine kleine Anzahl Flaschen (je 220 Stück) davon gab. Die Brennerei selber wird ja zur Zeit ausgebaut, so dass wir da leider nichts weiter zu sehen bekamen als den Shop, der in einem schmucklosen Zelt auf der anderen Straßenseite untergebracht ist. Aber das war beides kein Beinbruch.

Visitor Center Fettercairn DistilleryDas GPS wurde auf Stonehaven programmiert und weiter ging die Fahrt. Doch warum schickte uns die freundliche Stimme aus dem Cockpit nach 2/3 der Strecke auf einmal von der Autobahn runter auf eine Landstraße? Merkwürdig. Naja, zeitlich passte es noch ganz gut, darum folgte ich dem Vorschlag. Die Straßen wurden schmaler und plötzlich tauchte ein Ortsschild mit dem Namen Fettercairn vor uns auf, kurz darauf gefolgt einem weiteren Schild zur gleichnamigen Brennerei. Einen Besuch dort hatte ich zwar überhaupt nicht auf dem Plan, aber wo wir schon mal in der Nähe waren…

Es war eine schöne Tour in einer schönen Brennerei mit einem schönen Visitor Center. Der Whisky selber… na, sagen wir einfach, dass die Tour besser war. Auch wenn die Brennerei gerade in ihrer Sommerpause war und nicht produzierte. Ich konnte zwar keinen Whisky probieren, weil ich fahren musste, doch riechen gab einen ersten Eindruck des leichten, jungen Malts. Immerhin hatten Martin und Klaus einen guten ersten Einblick in die Produktionsprozesse bekommen. Und die Brennerei ist einen Abstecher wert, wenn man gerade in der Gegend ist.

Dunnottar Castle

Es wurde noch schnell was im lokalen Tante Emma Laden als Ersatz für ein Mittagessen gekauft (Cola, Kekse und Chips) und die West Mearns Parish Church besichtigt, bevor wir uns wieder den Landstraßen zuwandten. Vom GPS sicher geführt endeten wir kurz vor der Autobahnauffahrt in einer durch Baustelle gesperrten Straße. Also wenden, nach Süden fahren, die penetranten Wünsche des GPS nach einem U-Turn genauso penetrant ignorieren und die nächste Auffahrt suchen. Wir erreichten Dunnottar Castle dennoch. Es ist schon imposant, diese alten Gemäuer in dieser Kulisse zu sehen und sich vorzustellen, mit wie viel Aufwand sie in längst vergangenen Zeiten errichtet werden mussten.

Strathisla DistilleryDunnottar Castle – check. Die vorletzte Station des Tages hieß Strathisla Distillery in Keith. Nur meinte das GPS, dass wir dort erst in knapp 2 Stunden ankommen würden. Nach 18 Uhr und damit nachdem die Brennerei ihre Tore für den Tag geschlossen hatte. Och, was ärgerlich! Wir versuchten dennoch unser Glück und erreichten Keith um 5 nach 6. Noch hatte das Visitor Center auf und eine Mitarbeiterin erlaubte uns nach netter Anfrage noch kurz reinzukommen. Einen Caperdonich gab es leider nicht mehr, doch nach kurzer Beratung landete eine Abfüllung von Strathclyde aus der Distillery Reserve Collection von Chivas in unserer Einkauftüte, die uns mit ihren über 62% die beiden Abende in Craigellachie abrunden sollte.

Am Ende des Tages landeten wir endlich in Craigellachie und schlugen unser Lager für die nächsten beiden Nächte im Highlander Inn auf. Martin und ich bezogen das Doppelzimmer und Klaus bekam zum nächtlichen Wohl aller Beteiligten das Einzelzimmer zugeteilt. Im Copper Dog des Craigellachie Hotels gab es leider keinen Platz mehr für uns zum Abendessen, darum begnügten wir uns mit einmal Steak Pie für Klaus sowie 2 mal Haggis inklusive Neeps und Tatties für Martin und mich im Highlander Inn. Klaus wollte sich die ganze Tour über nicht dazu überreden lassen, Haggis zu probieren. Na, das muss er selber wissen. Er weiß nur nicht, was ihm da entgeht. Dazu noch ein Pint und ein paar Drams und alles war bestens.

Caperdonich Tatsuya Cask 7419Ich fand noch eine Schachtel einer bisher unbekannten Abfüllung von Caperdonich in den Regalen der Bar. Tatsuya, der Besitzer des Highlander Inn, erklärte mir, dass diese 2009 von einer 72er-Abfüllung von Duncan Taylor abzweigt und als Bonus für die Mitarbeiter des Highlander Inn ausgeteilt wurde. Hmmm, was hätte ich Tatsuya doch gerne dazu überredet, mir seine Flasche abzutreten. Aber er wollte sich partout auf keinen Handel einlassen. Obwohl er ein wenig mit den Augenbrauen zuckte, als ich ihn den aktuellen Marktpreis von 72er Caperdonichs nannte. Doch irgendwo kann ich ihn schon verstehen.

Zum Abschluss des Tages gab es für uns im Doppelzimmer noch ein paar Drams des Strathclyde. Er war trotz seines hohen Alkoholgehaltes und seiner erst 12 Jahre ein leckerer Tropfen, der vor allem weniger nach Grain als nach Malt schmeckte. Sehr bekömmlich und rund, solange man ihn nicht zu lange im Mund weilen ließ. Das war eine gute Empfehlung der netten Dame bei Strathisla.

Für den nächsten Tag waren unter anderem ein wenig Wandern sowie die viel gerühmte Distillery Tour bei Balvenie geplant. Einer der Höhepunkte unserer Reise, so viel darf ich vorweg nehmen.

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