Ein eigenes Fass mit Whisky

Apr 26th, 2012 | By | Category: Handel

Manchmal hat man ja verrückte Ideen. Dazu gehört(e) bei mir – wie bei manch anderen Whiskyliebhabern sicherlich auch – die Idee, einmal ein Whiskyfass zu erwerben. Ein eigenes Fass, einen eigenen Single Malt, eine persönliche Note, einfach etwas Besonderes. So also die Idee. Was ich dann damit machen würde? Na, trinken natürlich! Vielleicht nicht alleine und bestimmt nicht alles auf einmal, aber ein interessanter Gedanke ist es schon. Man hätte auch etwas persönliches, was man verschenken könnte und der Kommunikationsfaktor ist auch nicht zu verachten. Doch warum ist es nie zum Kauf gekommen?

Hierfür gibt es wohl mehrere Gründe. Der wichtigste davon ist ein sehr rationeller. Man muss sich ja immer die Frage stellen: Was bekomme ich für mein Geld? Welcher Whisky ist im Fass drin? Wie schmeckt er? Ist er überhaupt genießbar? Kann ich mich bei der gekauften Menge auch nach 10 Jahren des kontinuierlichen Genusses noch dafür begeistern?

Und viele weitere Fragen:
Welche Destillerie soll ich wählen?
Welche Destillerien verkaufen überhaupt Fässer an Privatpersonen?
Wie wickelt man den Kauf rein logistisch ab?
Was kostet so ein Fass?
Was sagt der Zoll dazu?
Wie bekomme ich das Fass nach Hause?
Wie lagere ich es?
Wo lagere ich es?
Was mache ich mit dem Fass, wenn es ‘erntereif’ ist?
Kann man den Whisky eventuell in kleineren Mengen auch verkaufen?

Auf einige der Fragen kann man schnell Antworten finden. Doch bei anderen, die mehr die persönliche Seite nach dem Kauf betreffen, bin ich mir über die Konsequenzen mehr als unklar.

Wie schon erwähnt, kann man sich nie sicher sein, welche Qualität das erworbene Fass am Ende beinhaltet. Man muss ja immerhin ein paar Jahre auf eine Antwort auf diese Frage warten. Statistisch gesehen ist leider nur etwa jedes zehnte Fass von ausreichend guter Qualität. Was passiert aber, wenn man bei dieser Lotterie eine Niete zieht? Die Enttäuschung ist bestimmt riesengroß, wenn das Ergebnis noch nicht einmal den eigenen Vorlieben entspricht – auch wenn der Geschmack technisch gesehen in Ordnung ist.

Auch auf der Kostenseite gibt es viele Unbekannte. Zunächst sind dort die Herstellungskosten zu nennen. Die belaufen sich für einen Single Malt bei einem Fass mitterer Größe wie einem Hogshead (250 Liter) auf Pi-mal-Auge 500 Euro, ohne dass die Destillerie damit einen Gewinn einfahren würde. Legen wir dafür also noch einmal 500 Euro drauf. Die Lagerung eines solchen Fasses würde pro Jahr etwa 25 Euro ausmachen, bei 10 Jahren sind also weitere 250 Euro fällig.

Weiterhin gibt es Transport- und Importkosten zu beachten. Frachtkosten bei dem Gewicht und der Größe liegen irgendwo in der Mitte zwischen 1000 und 2000 Euro. Lassen wir den Angel’s Share außer acht, befinden sich in dem gekauften Hogshead-Fass ungefähr 150 Liter reiner Alkohol, für den pro Liter etwas mehr als 13 Euro Zoll bzw. Verbrauchssteuer zu zahlen sind. Macht knapp 2000 Euro. Die Mehrwertsteuer wird auf den Kaufpreis des Fasses und auf die Verbrauchssteuer berechnet, was nochmal 600 Euro ausmacht.

All dies kostet also schon mal eine schöne Stange Geld.

Dann steht das Fass also erst einmal vor der Haustür. Und was dann? Stehen lassen und noch weiter Angel’s Share zahlen oder doch lieber in Flaschen abfüllen? Da eine Wertsteigerung für den Fassinhalt nicht zu erwarten ist, bleibt letztere Lösung. Diese kostet jedoch noch einmal für die Abfüllung, für die Flaschen, für den Verschluss und eventuell für Etikettierung nach Wunsch.

Der Verkauf der abgefüllten Flaschen wird sich allerdings mühselig gestalten und ohne die richtigen Verbindungen und Kanäle wird das zu Stückwerk. Eine halbwegs akzeptable Möglichkeit, die das Internet für einen Verkauf von Whisky in Flaschen bietet, ist eine sogenannte Fassteilung, bei der man Anteile an seinem Fass eben flaschenweise anbietet. Anderfalls verbleiben die Flaschen für den Selbstverzehr, sind mehr oder weniger begehrte Geschenke oder werden – je nach Qualität des Whiskys – für die Zubereitung von Mahlzeiten oder für das Ansetzen von Bowle oder ähnlichem verwendet.

Wenn ich irgendwann mal eine Liste mit den 100 Dingen erstelle, die ich noch tun möchte, solange ich dazu in der Lage bin, wird der Kauf eines eigenen Whiskyfasses einer der Punkte auf der Liste sein. Oder ich kaufe mir gleich eine Destillerie… falls ich in der Zwischenzeit im Lotto gewinnen sollte.

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One Comment to “Ein eigenes Fass mit Whisky”

  1. […] ist hier sicher der Kauf eines persönlichen Fasses, […]

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