Highland Park’s Valhalla Collection

Mar 13th, 2013 | By | Category: Abfüllungen

Whisky Highland Park ThorWas haben Thor, Loki, Freya und Odin gemeinsam? Ja, genau, sie sind Figuren aus der nordischen Mythologie. Aber was haben sie mit Whisky zu tun? In der Whiskywelt sind es ganz einfach Namen für Abfüllungen der Destillerie Highland Park, die neben Scapa als eine der beiden Brennereien auf der Insel Orkney nördlich des ‘Festlandes’ von Schottland ihre Heimat hat. Dort hat man im letzten Jahr die Valhalla Collection in einer ersten Edition mit dem Namen ‘Thor’ aufgelegt. Bis 2015 soll auf den Thor jedes Jahr noch eine weitere Abfüllungen folgen, eben mit den bereits genannten Namen Loki, Freya und Odin.

Die Valhalla Collection von Highland Park ist dabei als Fortsetzung der erfolgreichen und mittlerweile (fast) gänzlich ausverkauften Trilogie mit den Abfüllungen Earl Magnus (2009, 15 Jahre, 52,6%), Saint Magnus (2010, 12 Jahre, 55,0%) oder Earl Haakon (2011, 18 Jahre, 54,9%) zu sehen. Um beim Wiking-Thema zu bleiben, werden die Flaschen in recht außergewöhnlichen, hölzernen Ständern ausgeliefert, die an ein Langschiff der Wikinger erinnern.

Neben dem äußeren Erscheinungsbild ist auch zumindest das Innere der diesjährigen Abfüllung mit dem Namen Loki recht überraschend. In einer Pressemitteilung von Highland Park wird der Loki als durchaus passend zu den geschmacklichen Erwartungen an einen Highland Park angekündigt, jedoch mit den unvorhersehbaren und formwandelnden Eigenschaften der Figur des Loki. Oder um bei den Aussagen der Destillerie zu bleiben: Nichts ist, wie es zu sein scheint. Zum einen gibt es dort klassische Spuren von Süße und Würze, zum anderen wurde der Loki jedoch zum Teil sowohl in spanischen Sherryfässern als auch in stark getorften Fässern gelagert. Ein sehr komplexer Malt ist das Ergebnis, der von ein paar auserwählten Whiskykennern als ein weiterer, würdiger Whisky der Götter bezeichnet wird.

Whisky Highland Park LokiHighland Park gibt für den Loki diese offiziellen Verkostungsnotizen an:

Nase: Getrocknete Bitterorange, die sich schnell in Zitronenschale wandelt. Kardamomnoten ärgern die Nase, bevor sich ein Schwall Pfefferkuchen über sie ergießt. Mit Wasser werden Lakritz und aromatischer Rauch gelöst.

Geschmack: Hier kommen die formwandlerischen Fähigkeiten des Loki voll zum Tragen. Seine wachsige Textur wird durch den dichten Rauch verstärkt, der in der Nase nicht verschwindet, aber die zarten Zitrusaromen vergessen lässt. Es ist nichts, wie es scheint. Der Rauch wird von Lakritz und würzigen Apfelaromen verdrängt. Zitrone und Grapefruit sind durch ihren flüchtigen, aber fesselnden Charakter vorhanden. Mit etwas Wasser kommen zögerlich Noten von dunkler Schokolade auf, die über erkaltender Asche geschmolzen wurde und einen weichen, rauchigen Eindruck hinterläst.

Finish: Wenn Loki sich verabschiedet, hinterlässt er geröstete Nelke, Hickoryrauch und weiche Vanille. Er verändert sich konstant vom Erscheinen bis zum Abgang. Loki ist und bleibt ein Rätsel und ein wahrlich würdiger Whisky der Götter.

Es scheint manchmal wirklich, als würden Destillerien professionelle Poeten mit dem Erstellen dieser Texte beauftragen…

Warum man gerade den Namen Valhalla Collection für die Edition gewählt hat, erschließt sich mir allerdings nicht ganz. Auf der einen Seite ist Walhall, wie es auf Deutsch heißt, eine prächtige Halle und als Teil von Odin’s Burg Gladsheim in Asgard und als dessen Thronsaal auch entsprechend wichtig. Doch ist sie in späteren Überlieferungen nicht mehr als der himmlische Aufenthaltsort besonders tapferer Krieger, den Einherjer, die zuvor in Schlachten gefallenen waren. Die Verbindung zum Whisky könnte man in der nächtlichen Nutzung der Valhalla als Feststätte für die sich tagsüber im Zweikampf messenden Einherjer sehen. Nach Sonnenuntergang flossen dann hier Bier und Met in rauen Mengen, das von den Walküren serviert wurde – jedoch gibt es für die tapferen Helden leider keinen Tropfen Whisky.

Über die mythologischen Figuren hinter den 4 Abfüllungen der Valhalla Collection lässt sich in aller Kürze folgendes sagen:

Thor (seit Februar 2012, 16 Jahre, 52,1%) ist der mit dem Hammer. Darüber hinaus ist er in der nordischen Mythologie der Gott des Donners und des Wetters, der Vegetation und nicht zuletzt der Beschützer der Menschheit. Thor wird als Sohn des Odin geboren, in dessen zweiter Ehe mit der Erdgättin Jörd, und ist damit der zweitwichtigste Gott. In der Antike entspricht seine Gestalt etwa der des Zeus. Der Wochentag Donnerstag ist im germanischen Sprachgebrauch nach ihm benannt, wobei in lateinischen Sprachen dieser Tag eher Zeus bzw. Jupiter geweiht ist (lateinisch: dies Iovis, französisch: jeudi, spanisch: jueves).

Loki (seit März 2013, 15 Jahre, 48,7%) wird als listig, gerissen und tolpatschig beschrieben. Ein erster Gauner der Mythologie war er also und er konnte seine Gestalt ändern. Strategisch Denken konnte er und setzte mit wohlbedachten Lügen seine Interessen durch. Loki schloss irgendwann sogar Blutsbruderschaft mit Odin, dem obersten aller Götter in der nordischen Mythologie, und half Thor dabei, dessen Hammer Mjöllnir von den Riesen wieder zu erlangen. Loki war richtig verknallt in Freya, doch seine Verehrung blieb unerwidert. Durch die Anstiftung zum Tod Baldr’s leitete er das Ende der nordischen Götterwelt ein.

Freya (seit Februar 2014, 15 Jahre, 51,2%) bedeutet aus dem Altnordischen übersetzt so viel wie ‘Herrin’. Sie kommt aus dem Geschlecht der Wanen, das das ältere der beiden Göttergeschlechter der nordischen Mythologie ist. Sie ist die nordgermanische Göttin der Liebe und der Ehe oder – wenn man es ein wenig prosaischer mag – Göttin der Fruchtbarkeit und des Frühlings, des Glücks und der Liebe, sowie Lehrerin des Zaubers. Ihr Pendant im römischen Götterhimmel ist die Venus. Auch wenn dies vielfach angenommen wird, ist der Name des Wochentags Freitag nicht nach ihr, sondern nach der germanischen Göttin Frigg benannt.

Odin (seit Februar 2015, 16 Jahre, 55,8%) oder im Neuhochdeutschen auch Wotan genannt, ist die zentrale Figur aus dem Geschlecht der Asen in der nordischen Mythologie. Göttervater mit dämonischen Zügen ist er, Kriegs- und Totengott, Erfinder der Runen, Gott der Dichtung, der Magie und Ekstase. Von seinem magischen Thron Hlidskialf kann Odin über alle neun Welten sehen, die in die Oberwelt (mit Asgard, der Heimat des Göttergeschlechts der Asen), die Erde (mit Midgard, der Heimat der Menschen) und die Unterwelt (mit Hel, dem Totenreich) unterteilt sind. Sein Wohnort ist Asgard, wo er die beiden Paläste Walaskialf sowie Gladsheim mit Walhall besitzt. Das römische Äquivalent zu Odin ist Merkur. In vielen Sprachen ist Odin bzw. Wotan der Namensgeber für den Wochentag Mittwoch (englisch: Wednesday, dänisch: onsdag)

Während die erste Abfüllung der Valhalla Collection, der Thor, von dem 23.000 Flaschen abgefüllt wurden (so weit also zum Thema ‘limitiert’), im Online-Shop der Destillerie aktuell noch für 120 Britische Pfund angeboten wird, soll der Loki mit einer Auflage von 12.000 Flaschen als Nachfolger 130 Pfund kosten. Interessant sind die Informationen über die nordischen Götter auf der Homepage von Highland Park, die sich mit den Abfüllungen der Edition beschäftigen. Dort werden neben Thor, Loki, Freya und Odin mit Tyr und Baldr jedoch noch zwei weitere Götter ausgiebig beschrieben.

Soll man daraus etwa schließen dürfen, dass es in den kommenden Jahren noch weitere göttliche Abfüllungen in der Valhalla Collection zu probieren gibt? Jens Rosenberg, Brand Ambassador Single Malts & Keeper of the Quaich Beam Deutschland, sagt dazu vieldeutig zum Release von ‘Odin’, dass die nordischen Legenden in Zukunft viel Platz für Inspiration lassen. In die gleiche Richtung gehen Aussagen von Gerry Tosh, Global Marketing Manager bei Edrington, der ‘Odin’ nur als den Abschluss des ersten Kapitels der Collection sieht. Lassen wir uns also überraschen, was aus Tyr und Baldr wird, die auf der mittlerweile nicht mehr zugänglichen Webseite ‘Whisky of the Gods’ 2013 noch so ausführlich beschrieben wurden…

Whisky Highland Park Freya 15yoUpdate (02-2014): Wie Highland Park verkündet hat, kommt die Abfüllung ‘Freya’ im Februar 2014 mit einer Auflage von 19.000 Flaschen auf den Markt. Der Stückpreis liegt bei 150 Britischen Pfund. Die offiziellen Verkostungsnotizen von Highland Park scheinen für diesen 15-jährigen Tropfen, der mit 51,2% Alkoholgehalt abgefüllt wurde, schon mal zu stimmen… wenn man die gewöhnliche Verkaufsprosa herausgefiltert hat:
Farbe: Gold
Aroma: Mandeln und Vanille von Madagaskar, weiße Schokolade gefolgt von kandierten Kirschen, mit Noten von Mango und Melone umhüllt von Cream Soda (keine Ahnung wie das Zeug schmeckt…)
Geschmack: Umgeben von einem Hauch Torf, mit Orangenschale, Butterscotch und Rosenblüten für die Süße zusammen mit Orangenblüten und Ingwer, dazu Candy (und wie übersetzt man das korrekt?), Zitronengras und tropische Früchte zart umhüllt von Torfrauch
Abgang: Komplex und wunderschön, ausgewogen und wie Freya selbst, mit etwas Würze und weichem Torfrauch durchzogen von Gartenfrüchten, gerösteter Kokosnuss (wer röstet denn bitte sowas???) und leichten Kohlenoten, eine abgerundete Tiefe bietend die den Whisky abheben lässt

Whisky Highland Park Odin 16yoDamit dann das letzte Update (02-2015) für die Valhalla Collection:
In der letzten Woche wurde von Beam Suntory die letzte Abfüllung dieser ‘göttlichen’ Edition dem geneigten Whiskygenießer offiziell vorgestellt. Ganz im Sinne vieler anderer aktueller Abfüllungen soll der ‘Odin’ zusammen mit seinen drei Verwandten ‘Thor’, ‘Loki’ und ‘Freya’ laut Pressemeldung insbesondere als Sammler-Edition zu sehen sein – schade drum! Aber gut, vielleicht will Beam Suntory seine Kunden auch nur vor Enttäuschung schützen, wenn falls diese ihre Flaschen irgendwann wirklich öffnen und deren Inhalt seiner eigentlichen Bestimmung zuführen. Der Ausgabepreis für eine der 17.000 Flaschen liegt bei 180 Britischen Pfund.

Odin, Göttervater der nordischen Gottheiten, zählt zu deren komplexesten Charakteren. Wie sein mythologisches Vorbild ist der Whisky geprägt durch Vielschichtigkeit, Kraft und Intensität. Er ist ein charaktervoller 16 Jahre alter Highland Park Whisky, der dennoch den klassischen ‘Orcadian Style’ aus traditioneller Süße und sanftem Torfaroma besitzt. Abgefüllt mit 55,8% ist er der kräftigste Single Malt aus der Valhalla Collection. In ihrem schwarzen Holzständer präsentiert sich die Flasche wie Odin selber dunkel, unvollendet und von Schlachten mitgenommen.

Hier noch die offiziellen Verkostungsnotizen von Highland Park für den ‘Odin’:
Aroma: Kraftvoll und würzig mit Aromen von Zimt und Muskatnuss, gefolgt von Noten gerösteter Wallnüsse und einer pulsierenden Rauchigkeit
Geschmack: Komplex, verschiedenste Rauchnoten und intensive Eiche werden von gerösteten Wallnüssen ergänzt.
Nachklang: Durch die feine Süße dringt das Aroma gut gelagerten Sherrys hervor. Noten von Pflaumen weichen dem torfigen, rauchigen Finale


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4 Comments to “Highland Park’s Valhalla Collection”

  1. Theo says:

    Als absoluter HP Nerd war ich einer der ersten, der alle 4 Abfüllungen zusammen hatte, obwohl mir viele Whisky Fachleute davon abgeraten hatten.
    Mein Glück war, dass ich auf einer Whiskymesse über den Whisky Profi Tim Tünnermann von der Whiskybotschaft- gestolpert bin. Und das ist mal ein echter Fachmann und nennt sich nicht nur so. Seine Tipps und Weisheiten, die er mir zum Kauf- und Verkauf meiner Whiskys gab, stimmten auf den Punkt und widersprachen so ungefähr jeder anderen Aussagen von Whiskypäpsten, die ich hierzu interviewt hatte.
    Wenn jemand wirklich sich mit Whisky beschäftigen will und beraten werden will kann ich nur Tim empfehlen! Er hat eine internationale Reputation aufgebaut und arbeitet mit Whiskygrössen wie Richard Paterson , Duncan Taylor von Bruichladdich oder John Campbell von Laphroaig zusammen. MEIN TIPP!

    • Stefan says:

      Hallo Tim… äh… Theo,

      Ein wenig vorweihnachtliche Werbung für das Geschäft machen? Finde ich ja im Prinzip löblich.
      Aber MEIN TIPP: Du solltest vielleicht etwas dünner auftragen, das fällt weniger auf.
      So wirkt die Werbung in eigener Sache schon fast kontraproduktiv.
      Ist ansonsten aber ein interessantes Selbstbild, das du von dir zeichnest 😉

      Slainte, Stefan

  2. Christian says:

    Hallo,
    Ich sammle Geld für eine Valhalla Collection. Ich finde das Design einfach nur genial, sodass ich die Collection gerne in meiner Sammlung haben würde.
    Ich hoffe auf Ihre Mithilfe!

    https://www.leetchi.com/Cagnotte/7460942/83e0d2e9

    Vielen Dank!
    Christian

    • Stefan says:

      Hallo Christian,

      Jetzt habe ich noch kurz überlegt, ob ich den Link hier veröffentlichen soll.
      Aber ok… vielleicht findet sich ja wirklich jemand, der zu viel Geld hat.

      Slainte, Stefan

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