WWW – WeihnachtsWhiskyWichtel

Dec 23rd, 2016 | By | Category: Neuer Artikel

Weihnachtswichtel mit Ardbeg Kildalton im SchlittenWeihnachten ist ein schöne Zeit. Besinnlich, ruhig, ein kleine Auszeit. Oder nicht? Na, wie auch immer… Weihnachten bietet auch die schöne Tradition des Wichteln mit kleinen Geschenken für jeden, der dabei sein will. Diese Tradition hat mittlerweile auch in der Whiskywelt Einzug gehalten. Ich freue mich darum jedes Jahr auf ein paar leckere Wichteldrams, die in einem Whiskyforum (mal ein wenig Werbung dafür gemacht: derwhisky.de) die Runde machen. Die Drams müssen nichts besonderes sein, können es aber. Es muss nicht viel sein, kann es aber. Es kann lecker sein, aber das ist eine subjektive Betrachtung. Jeder gibt eben ein wenig von dem, was er aus seinen Flaschen entbehren kann und was er gerne mit anderen Maltheads teilen möchte. So habe ich es jedenfalls bei den Wichteln gehalten, die ich verschickt habe.

Im Whiskyforum trägt man sich dafür in einer Liste ein und bekommt ein Wichtel mit Samples von dem, der sich zuvor in der Liste eingetragen hat. So einfach. Spezielle Wünsche wie unbeschriftete Flaschen für ein Blindtasting, wie Drams ohne ungeliebten Rauch oder wie sherrylastige Abfüllungen kann man daraufhin mit dem Wichtelgeber absprechen.

Meine Wichtel kamen dieses Jahr von Anam na h-Alba, einem unabhängigen deutschen Abfüller, über den ich hier im Blog auch schon geschrieben habe. Ich hatte Tom (also ‘Anam’) darum gebeten, dass die Samples unbeschriftet kommen und dass die Lösung verdeckt beiliegt. Die Post brachte mir letzte Woche also pünktlich vor dem Fest 4 Samples, denen ich mich in den vergangenen Tagen ausgiebig gewidmet habe. Darum war es im Blog auch ein wenig länger stumm als sonst.

Wie gesagt, ich wusste beim Verkosten nicht, was in den Sampleflaschen drin war. Whisky. Ja, das war mal vorausgesetzt. Aber ansonsten… keine Ahnung. Augen, Nase und Mund waren gefragt, um herauszufinden, in welcher Brennerei der Whisky gebrannt wurde, wie lange der Whisky lagerte, womöglich in welchem Fass er lagerte und wie viel Alkohol drin ist. Das ist, um es mal gelinde auszudrücken, nicht ganz so einfach. Und ich habe bei 3 der 4 Drams auch nicht unbedingt richtig gelegen. Macht aber nix, Spaß und Genuss waren auf jeden Fall dabei.

An dieser Stelle noch einmal meinen herzlichen Dank an Tom für die Wichtel und meine Wünsche für ein frohes Weihnachtsfest sowie ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr!

Und natürlich ein ebenso frohes Weihnachtsfest an alle Leser und viele lecker gefüllte Gläser im neuen Jahr. Lasst es euch gut gehen. Sláinte mhath!

Jetzt aber zu den Wichteln…

Nummer 1:

Farbe Heller Southern Comfort
Geruch Fruchtig-würzig, direkt zu Beginn mit Zitrus, saurem Apfel und ein paar Südfrüchten, dann auch bittere Aromen, angebranntes Karamell, ein Hauch von Rauch, ein wenig Vanille, Blumenwiese, etwas trockenes Holz, später auch Honig, reifere Früchte​, mehr Vanille und noch mehr Rauch, leicht alkoholisch brennend
Geschmack Fruchtig-süß, Mirabelle, Galiamelone und ein wenig Mandarine, Honig und Puderzucker, kaum Alkohol, dafür etwas deutlicherer Rauch als in der Nase, Spuren von zu starkem Kaffee, bitteres Holz und bittere Frucht, Salz
Finish Mittellang, süßes Malz und gut geröstetes Malz, Menthol, leichte Pfefferschärfe, reichlich bitteres Holz, dunkle Traubennussschokolade, recht trocken (mehlig)

Aromen Frucht Getreide Süße Holz Würze Alkohol Rauch

Mein Urteil Lustigmacher
Das ist ein durchaus gefälliger Tropfen – solange er nicht zu lange im Mund verweilt. Dann schwinden behagliche Süße sowie angenehme Frucht und bittere Noten machen sich breit. Schade eigentlich. Gibt man ihm (viel) Zeit, wird das Bittere im Mund schwächer und die Süße hält länger an. Meine Nase hätte noch gesagt, dass das ein recht junger Bursche ist, aber Mund und Abgang wollen entweder mehr Jahre oder frische Fässer aus europäischer Eiche. Da ich den Dram eher aus Schottland (Highlands?) kommen sehe, sage ich, dass er älter ist, als die Nase es wahrhaben will (ca. 20 Jahre). Durch den etwas bissigen Alkohol in der Nase tippe ich auf 46%. Das zusammen mit sehr viel Standard im Glas und kaum Experimentellem macht ihn für mich zu einer OA irgendwo von der Küste.

Die Wahrheit Ardbeg OA 1975 43%
Ein Ardbeg aus einer Zeit weit vor LHMMVHLMHHV… darauf wäre ich im Leben nicht gekommen. Zumal dieser ganz anders ist, als die Abfüllungen, die ich sonst aus den 70ern kenne. Dieser 75er hat viel mehr Kraft vom Holz. Aber die beschriebenen Aromen sind nicht ganz so falsch, wenn man sie auf alte Ardbegs übersetzt…

Nummer 2:

Farbe Rotwein (aber so richtig rostig-erdig-braun)
Geruch Fruchtig-mild, direkt mit viel Sherry, Rosinen, ein paar saure Äpfel (mehr sauer als Apfel), Erdbeergelee (mehr Gelee als Erdbeer), Zimt, etwas Leder, ein wenig Gummi (Luftballon), ein kleines Stück Mandelkuchen, Pappe (oder Zeitung?), dann wieder Pflaume-Erdbeer-Kompott, später auch trockenes Eichenholz und etwas Heu
Geschmack Würzig, Sherry natürlich, adstringierend und leicht säuerlich, mehr Holz als in der Nase, kräftig ohne viel zu brennen, mineralisch (eventuell auch eine Prise Salz), etwas Soyasauce, Orangenlimonade an der Zungenspitze, dunkle Schokolade und gut geröstetes Malz doch fast ganz ohne Bitterkeit
Finish Mittellang, schnelle Frucht (… und schon weg…), Vanille, und wieder Sherry, ätherisch, schwarzer Tee, Butterkuchen, durchaus chili-ig, etwas fruchtige Bitterkeit

Aromen Frucht Getreide Süße Holz Würze Alkohol Rauch

Mein Urteil Handwerkskunst
Die Nase ist sehr rund und ausgeglichen, kaum Zeichen von ausgedehntem Alter. Bevor der Sherry alles übertönt, kommt ein frisch-säuerliches Aroma auf. Beides hält sich seeehr lange und gibt erst spät etwas Platz für Eiche und ein wenig Alter (25 Jahre). Der Mund erfährt direkt volle Sherrykraft und wird auch sonst nicht geschont. Allerdings ist hier kein Alkohol schuld (tippe auf 48%, schön eingebunden), sondern nur kräftige Aromen. Das setzt sich im Prinzip im Abgang fort. Interessant ist dort der Chili zusammen mit dem Sherry. Auch wenn ich eigentlich kein Sherrymaul bin, ist das schon sehr lecker – nicht zuletzt, weil der Dram nicht nur Sherry sondern auch Kraft hat. Wegen einer erhöhten Verwechslungsgefahr mit Sherryabfüllungen anderer Brennereien und der Sicherheit der Statistik im Hinterkopf gehe ich von einem Glendronach aus, der natürlich in einem 1st Fill Sherryfass reifte.

Die Wahrheit Bunnahabhain 31yo 1979/2011 Adelphi 46,5% Cask #8893

Nummer 3:

Farbe Leicht rostiger Bernstein
Geruch Würzig, Holz und grüner Tee (lange gezogen), Karamell, ein paar Röstaromen, leicht pfeffrig, Vanille, etwas Crème Brûlée, Dessertweinnoten, wird fruchtiger (junge Mandarine, Kaki), dann wieder junge Eiche und Karamell, ein wenig süßes Malz, Haarspray, weiter mit würzigem Holz, zunehmend mehr säuerliche Zitrusnoten und Spuren von Ingwer
Geschmack Würzig, (Weiß)Weinnoten, dann süßer mit reiferen Südfrüchten, ziemlich pfeffrig-scharf, frisch-prickelnd auf der Zunge, ein paar nicht bittere Nüsse, später etwas Holz, behält Süße von Frucht und Honig, auch wieder etwas Ingwer (mehr frisch als scharf), leicht herbes Malz
Finish Mittellang, Malz und Eukalyptus gleichzeitig, Milchkaffee, sehr frisch, grüne Paprika, Getreide und Süße, dann doch länger anhaltende Bitterkeit

Aromen Frucht Getreide Süße Holz Würze Alkohol Rauch

Mein Urteil Lustigmacher
Das ist ein Dram, der von seiner Kraft lebt. Jung, dynamisch, aber wenig komplex. Leider habe ich keine besseres Gebot zu seiner Herkunft als die Highlands, mit etwas Glück die Speyside. Auf jeden Fall wurde er von einem unabhängigen Abfüller verkapselt. Es gibt sicherlich Anzeichen der Brennerei in den Aromen, aber das Eichenfass legt sich darüber und ich (er)kenne sie nicht. Gegen eine jüngere Abfüllung sprechen allerdings die frühen und deutlichen Holzaromen in der Nase. Nun ja, frühreif eben (12 Jahre). Nur der Abgang könnte etwas länger intensiv sein und der Alkohol wirkt zwischendurch etwas zu kräftig (55%). Ansonsten ist der Dram schön frisch und gefällig, wenn man ihm die Zeit gibt. Merkwürdig ist aber, dass er wie Sherrylagerung aussieht und doch nur nach Bourbonfass schmeckt.

Die Wahrheit Craigellachie 17yo 1995/2013 SSMC 57,1% Cask #119517

Nummer 4:

Farbe Bernstein
Geruch Fruchtig-würzig, reife Südfrüchte (Honigmelone, Papaya), weniger reife Ananas, kräftiges Karamell, Vanille, ein wenig Alkoholbrand, dann deutlich mehr Zitrus, viel Honig, Butterkeks, viele Blumen, trockenes und würziges Eichenholz, wieder Vanille, etwas Apfelmus, wieder Karamell (jetzt viel milder), Blumenkohlsuppe, Spuren von Lakritz und Salz
Geschmack Würzig, süffiger Dessertwein, adstringierend, süßes Karamell, brennt recht deutlich, dann Südfruchtsüße, süßer Honig, würziges Holz, kurzzeitig Kaffeearomen, fruchtige Bitterkeit, wieder ein klein wenig Salz, Orange, immer noch ziemlich viel Chili-Leben, bitterer Spargel
Finish Mittellang, viel Malz und Karamell, kurze Röstbitterkeit von Kaffee, die Chili-Frische im Mund hält sich lange, etwas Eukalyptus, ganz dunkle Schokolade, es bleibt eine trockene Bitterkeit

Aromen Frucht Getreide Süße Holz Würze Alkohol Rauch

Mein Urteil Lustigmacher
Beim Riechen dachte ich: ‘Hm, das ist aber ein Leckerchen’. Viel Frucht, viel Milde, viel Abwechslung, viel Intensität, viel Gut. Der Mund bekam dann seine Schwierigkeiten mit dem deutlichen Alkohol, der lange gegen Frucht und Süße kämpft. Hier gab es einen wilden Wechsel der Aromen, aber interessant war es schon. Der Abgang gab den Ausschlag gegen eine bessere Meinung, weil er mir einfach zu bitter ist. Aus dem Mund retten sich noch ein paar süßere Aromen, aber diese sind schon nach kurzem verschwunden und machen Platz für zu viel Holzeinfluss. In der Speyside würde ich den Dram ansiedeln, sehr fruchtiger Brennereicharakter (Glen Elgin oder Glenburgie oder so), hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel (20 Jahre) und knapp dreimal so viel Alkohol im Glas (55%).

Die Wahrheit Glenburgie 20yo 1995/2016 Anam na h-Alba 54,3%

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2 Comments to “WWW – WeihnachtsWhiskyWichtel”

  1. Whiskey-Fan says:

    Den Craigellachie mag ich persönlich auch sehr gerne. Gute Idee mit dem Wichteln.

    Grüße

    Sascha

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