Augen auf beim Whiskykauf

Sep 11th, 2016 | By | Category: Neuer Artikel

Ardbeg Very YoungJeder, der hier liest, wird sich schon einmal eine Flasche Whisky gekauft haben. Oder er hat es ernsthaft in Betracht gezogen. Für die meisten wird es um Abfüllungen gehen, deren Kauf keine große Bresche in die Haushaltskasse schlägt. Aber es gibt auch Flaschen, deren Preis hoch 3-stellig oder gar 4-stellig ist. Und das kann Betrüger auf den Plan rufen, die sich mit gefälschten Whiskyflaschen einen schnellen Euro verdienen wollen. ‘Echt jetzt?’ wird der eine oder andere sicher fragen wollen. Ja, echt, es gibt unechten Whisky. Nicht im haushaltskassenverträglichen Bereich (da würde sich der Aufwand einer Fälschung nicht lohnen), aber ab einem niedrigen 3-stelligen Preisniveau kann es schon vorkommen. Kann, wohlgemerkt, nicht muss!

Also: Augen auf beim Whiskykauf!

In den meisten Betrugsfällen geht es um Whiskyflaschen, die mit nicht originalem Inhalt wiederbefüllt wurden. Doch wie ist es möglich, dass eine offensichtlich verschlossene Flasche einen anderen Inhalt hat als zu dem Zeitpunkt, an dem sie die Brennerei bzw. die Abfüllanlage verlassen hat?

Das liegt einzig an der Art und Weise, wie Whiskyflaschen typischerweise verschlossen werden. Wenn es kein Schraubverschluss ist, dann kommt ein Korken in den Flaschenhals und eine Kapsel drüber. Das sieht in beiden (und in den meisten) Fällen solide aus, doch können beide Verschlussarten von Fälschern kopiert bzw. umgangen werden. Hierzu muss man die Originalflasche noch nicht einmal ausgesprochen vorsichtig öffnen, um den Originalverschluss möglicherweise unbeschädigt noch einmal nutzen zu können. Nach dem Öffnen kann der originale Inhalt der Flasche in Ruhe genossen werden, die Flasche wird danach neu befüllt sowie täuschend echt verschlossen und kann oft für gutes Geld wieder verkauft werden.

Bleiben wir aber zunächst bei Schraubverschlüssen, die bei älteren Flaschen häufig vorkommen. Was lässt sich hier fälschen? Vermeintlich sichere Schraubverschlüsse sind durch einen Ring an deren unterem Ende gesichert, der sich beim Abdrehen des Verschlusses von Selbigem löst und am Flaschenhals hängen bleibt. Kennt man, hat sich bestimmt schon jeder einmal dran die Finger aufgeschnitten. Nun hat der professionelle Fälscher mit entsprechend technischer Ausrüstung natürlich die Möglichkeit, einen neuen und unbenutzten Schraubverschluss inkl. anheftendem Sicherungsring auf den Flaschenhals zu bringen. Hierbei kann man nur über einen direkten Vergleich von Originalverschluss und Kopieverschluss eine Fälschung entdecken. Wer diese Ausrüstung nicht hat, bedient sich eher Sekundenkleber und klebt den Sicherungsring an den originalen Schraubverschluss. Solch eine Fälschung kann man in fast allen Fällen bei genauerer Betrachtung schnell erkennen.

Aber auch bei einem Verschluss mit Korken und Kapsel sollte man sich nicht in Sicherheit wiegen, wenn man eine teure Flasche ungesehen kauft. Der Korken ist anders als bei Weinflaschen kein Einwegkorken. Er sitzt nicht sehr fest im Flaschenhals, da man eine Whiskyflasche nicht wie eine Weinflasche schnell leert, sondern diese über einen längeren Zeitraum hinweg wieder und wieder verschließen möchte. Darum bietet der Korken alleine keinerlei Sicherheit gegen eine Fälschung. Für eine größere Sicherheit ist die Industrie auf die Idee gekommen, eine Kapsel über den Korken zu ziehen, die im Optimalfall beim Öffnen der Flasche zerstört werden muss.

Ardbeg KapselDas war die Theorie. In der Praxis sieht es jedoch so aus, dass die Kapseln mitunter nicht fest genug sitzen und man sie mit ein wenig Geschick (und haushaltsüblichen Hilfsmitteln) unbeschädigt vom Flaschenhals abziehen kann – eine genauere Anleitung hierzu werde ich allerdings verständlicherweise nicht geben. Dabei ist es eigentlich gleichgültig, ob Kapseln aus Zinn oder aus Kunststoff bestehen. Auch Prägungen von Brennereilogos in der Kapsel sind kein Schutz. Ein berüchtigtes Beispiel hierfür sind hochwertige Abfüllungen von Ardbeg, die häufiger als Fälschungen auftauchen.

Sollte eine Kapsel sich einmal nicht ohne Beschädigung öffnen lassen (was ja der Normalfall sein sollte), kann der findige Fälscher aber auch Kapseln kaufen und diese auf den Korken setzen. Hierbei ist immer die Frage, in wie weit die Kopie dem Original entspricht. Oft kann man die Kopie bei näherer Betrachtung bzw. bei einem direkten Vergleich erkennen. Sollte der Fälscher allerdings das zweifelhafte Glück haben, eine Originalkapsel noch einmal verwenden zu können, kommt es auf dessen handwerkliches Geschick an, denWhisky Flasche Kapsel Fälschung Betrug zu verbergen. Stümper stülpen den Stumpen so über den Korken, dass sich bei Kunststoffkapseln Blasen bilden oder Zinnkapseln außergewöhnlich viele Falten aufweisen. Blasen sollten eigentlich nie vorkommen, Falten sind hingegen nicht selten und es liegt dann an der Erfahrung des Käufers, eine Fälschung zu erkennen. Übrigens ist eine drehbare Kapsel kein sicheres Zeichen für eine gefälschte Flasche.

Manche Brennereien sind sich ihrer Aufgabe, eine fälschungssichere Flasche auf dem Markt zu bringen, durchaus bewusst. So werden mittlerweile Kapseln mit zusätzlicher Versiegelung verwendet, die beispielsweise aus einem holografischen Aufkleber bestehen kann. Der Käufer darf nur nicht den Fehler machen und eine Steuerbanderole über der Kapsel, wie sie Italien oder Spanien verwendet wird, als Sicherheit anzusehen. Auch diese Banderolen können von Fälschern über dunkle Kanäle als Originale erworben werden. Schöne, heile Welt…

Whisky Flasche FälschungSoweit also zum Thema Verschluss. Des Weiteren kann eine Flasche auch über ihren Inhalt als Fälschung entlarvt werden. Das geht nicht bei allen Abfüllungen, aber unter gewissen Voraussetzungen ist es möglich. Zu nennen ist zuerst die Farbe der Flüssigkeit. Stimmt sie mit vergleichbaren Abfüllungen überein? Ein wenig Vorsicht ist bei Flaschenbildern aus dem Internet angebracht. Deren Farbe schwankt sehr in Abhängigkeit von der umgebenden Beleuchtung, was schnell zu unzulässigen Vermutungen führen kann. Auch hier ist ein direkter Vergleich angebracht.

Zusätzlich kann man auch den Alkoholgehalt grob festlegen, ohne dass man den Inhalt chemisch untersuchen muss. Hierzu schüttelt man die Flasche kräftig und beobachtet, ob auf der Flüssigkeit Blasen stehen bleiben. Das sollte bei Whisky mit einem Alkoholgehalt ab ca. 50% der Fall sein. Darunter wird es zwar auch Blasen geben, aber diese verschwinden nach sehr kurzer Zeit wieder. Ein Fälscher wird sicher keinen hochprozentigen Whisky zum Auffüllen einer leeren Flasche verwenden, wenn Whisky in Trinkstärke (40 bis 43%) günstiger zu haben ist. Ein weiteres Zeichen für eine Fälschung kann eine mögliche Eintrübung der Flüssigkeit bei Abkühlung sein. Whisky mit einem Alkoholgehalt unter 46% wird oft kühlgefiltert, um diesen Effekt zu vermeiden. Steht ansonsten nichts von Kältefilterung auf der Flasche und der Whisky trübt nicht ein, kann das ein schlechtes Zeichen sein.

Ich habe bisher nun häufig davon geschrieben, dass ein direkter Vergleich von Flaschen der beste Weg ist, eine mögliche Fälschung zu erkennen. Was aber, wenn ich gerade keine Vergleichsflasche für 500 Euro zur Hand habe? Soll ja gelegentlich vorkommen. Hierfür kann man sich im Zweifelsfall an Personen mit Sachverstand wenden. Der lokale Whiskyhändler steht sicher gerne mit seiner Expertise zur Seite, in Whiskyforen ist geballtes Wissen vorhanden, und bei freundlicher Anfrage helfen auch Auktionsplattformen weiter, die sich auf Whisky spezialisiert haben.

Wo ich gerade Auktionsplattformen erwähne… eBay & Co. sind in dieser Beziehung ein Sündenpfuhl. Dort können nicht nur gefälschte Whiskyflaschen ohne weitere fachlich versierte Prüfungen angeboten werden, es stehen auch leere Originalflaschen inklusive Originalkorken und unbeschädigter Kapsel zum Verkauf, die zur naturgetreuen Wiederbefüllung förmlich einladen. Warum sonst sollte jemand für eine leere Flasche 200 oder 300 Euro bezahlen, wenn er nicht gerade viel zu viel Geld hat? Zudem wird augenscheinlichen Betrugsversuchen auch nach mehrfachem Bericht nicht nachgegangen. Man würde ja Umsatz verlieren und rechtlich kann man sowieso nicht belangt werden. Will man dort also eine außergewöhnliche Flasche ersteigern, sollte man wirklich Sachverstand haben.

Noch einmal: will man sich eine teure Flasche Whisky kaufen, sollte man sich die Flasche vorher ansehen können. Entweder live oder auf aussagekräftigen Bildern. Man kann auch vor dem Kauf schon den Rat einer sachkundigen Person einholen. Dass es eine völlige Sicherheit vor Betrug nicht geben kann, habe ich sicher vorher deutlich machen können. Eine Fälschung muss schließlich nicht direkt vom privaten Verkäufer hergestellt worden sein. Auch dieser kann unwissend eine Fälschung gekauft haben. Auch von angesehenen Händlern, denn diese sind ebenfalls nicht vor Betrug gefeit, obwohl sie sehr sorgfältig arbeiten und mit viel Fachwissen (alte) Whiskyflaschen kaufen.

Bleibt noch die Frage zur Konsequenz:
Was passiert, wenn sich herausstellt, dass ich eine gefälschte Whiskyflasche gekauft habe?

Als erstes sollte man den Verkäufer auf den begründeten Verdacht ansprechen. Wie gesagt, auch der Verkäufer kann unwissend eine Fälschung erworben haben und diese – aus welchen Gründen auch immer – weiterverkaufen wollen. Sollte sich durch den Kontakt keine einvernehmliche Lösung erzielen lassen, bleiben leider kaum Alternativen zum Stellen einer Strafanzeige. Wichtig ist dafür, dass man die Sachlage gut dokumentieren kann. Kaufbelege, schriftliche Kommunikation mit dem Verkäufer, Zahlungsbelege, alles kann interessant sein. Danach wird sich ein Gericht mit dem Fall beschäftigen und bei gutem Ausgang für den Käufer wird der Verlust erstattet.

Doch will jemand, der Whisky einfach nur genießen will, wirklich so viel Aufregung haben? Da ist es doch wesentlich sinnvoller, wenn man bei Zweifel an der Echtheit einer Whiskyflasche einfach vom Kauf absieht. Gier sollte nicht blind machen.

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4 Comments to “Augen auf beim Whiskykauf”

  1. Daniel says:

    Ein informativer und aufklärender Artikel. Ich finde auch, dass man die Seriösität des Verkäufers stark in Betracht ziehen sollte. Von den “bekannten Gesichtern” (und Shops) kauft es sich am sichersten.
    LG
    Daniel

  2. Rudi Fink says:

    Toller Artikel. Nach meiner Erfahrung kamen früher um 2005 die meisten gefälschten Flaschen aus Italien. Ich glaube der größte Fälscher hiess damals “Bambi” oder so ähnlich. Er hat Springbank und Co dilettantisch gefälscht aber bei billig setzt bei vielen oft das Gehirn aus. Der Artikel klärt super auf, aber das große Problem ist die Gierigkeit der Menschen. Würde man jetzt einen offensichtlich gefälschten Laphroaig 30 auf Ebay für 295 Euro stellen, es würden welche bieten. Das wäre doch mal ein guter nächster Blogbeitrag .-9 Toller Artikel der sehr hochwertig war.

    • Stefan says:

      Einen solchen Laffi würde man mit Sicherheit auch für mehr als 295 Euro unter den Hammer bringen können. Aber ein guter Blog muss nicht auf unseriöse Methoden bauen 😉 (Klar, war nur ein Spässle, keine Aufforderung)
      Ansonsten aber vielen Dank für die Blumen!

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