Milch und Honig in Israel

Apr 10th, 2014 | By | Category: Destillerien

Milk & Honey Distillery logo‘Was in Schweden, Indien und Taiwan möglich ist, soll doch hier auch klappen können’, dachten sich vor einiger Zeit 6 Whiskyfans in einer Bar in Tel Aviv. Wie so oft entstand also auch in Israel aus einer Schnapsidee die Idee Whisky zu brennen. Die Gründer der Milk & Honey Distillery sind sich aber sicher, dass das Interesse an Whisky im Heiligen Land groß genug ist, um traditionell hergestellten Single Malt Whisky dort erfolgreich vertreiben zu können. Somit wird bald wohl eine weitere Brennerei auf der Whiskyweltkarte auftauchen. Bis Milch und Honig zum ersten Mal fließen (und genossen werden können), gibt es allerdings noch einiges zu tun. Die Planungen scheinen soweit abgeschlossen, nun müssen die Ideen noch in die Tat umgesetzt werden.

Für Israel ist das bereits der zweite Versuch, die Produktion von Whisky im Lande zu etablieren – oder besser gesagt geschrieben: Whiskey. 1971 eröffnete National Distillers in der Stadt Carmiel eine Destillerie und produzierte unter dem Namen Ascot einen recht populären Blend nach schottischem Muster. Das Vorhaben scheiterte jedoch nach einiger Zeit an der Intervention der Scotch Whisky Association (SWA) und einigen schottischen Whiskyproduzenten, denen die Produktion von Scotch Whisky in Israel so gar nicht gefallen wollte.

Fast eine Million US-Dollar wurden bisher in die Planung und in den Kauf technischer Ausrüstung für die Milk & Honey Distillery gesteckt. Investitionen, die von den Gründern selber finanziert wurden. Hinzu kommen knapp 75.000 USD, die man bis Ende letzten Jahres über die Crowdsourcing-Plattform indiegogo einsammeln konnte und zum Kauf von Rohstoffen (42.000 USD) und Fässern (23.000 USD) für die ersten Brände verwendet werden sollen. Die Rohstoffe sollen wo möglich aus der Region stammen.

Wichtig für die Macher ist jedoch die Produktion eines koscheren Whiskys. Zunächst soll ein zweifach destillierter, fruchtiger und geschmackvoller Whisky im Speyside-Stil produziert werden, der aber nicht zu süß sein soll, um sowohl den Geschmack von Anfängern als auch von erfahreneren Whiskygenießern treffen zu können. Später soll die Produktpalette dann durch andere Geschmacksrichtungen ergänzt werden, die auch rauchig sein können. Auf ungewöhnliche oder experimentelle Abfüllungen will man sich aber nicht einlassen.

Eine halbe Autostunde nördlich von Tel Aviv hat man eine geeignete Produktionsstätte gefunden, die zur Zeit umgebaut wird und auch ein Besucherzentrum erhalten wird. Nach dem Ende der Arbeiten sollen hier ein ein 7 Meter hoher Wash Still mit 10.000 Litern Größe sowie ein Spirit Still Platz finden, der mit einem Fassungsvermögen von 3.800 Litern in Deutschland gefertigt wurde. Beide ganz traditionell aus Kupfer und mit Schwanenhals. Diese warten aktuell aber noch in einem Lagerhaus im Hafen von Tel Aviv auf ihren Einsatz. Begleitet und überwacht wird die Produktion von Master Distiller Dr. Jim Swan, der für diese interessante Aufgabe gewonnen werden konnte.

Das Klima in Israel wird eine besondere Herausforderung in Bezug auf die Lagerung des Whiskys. Durch die hohen Temperaturen werden die Engel im Laufe des Reifungsprozesses einen großen Teil des Destillates als Angel’s Share für sich beanspruchen – Kavalan (Taiwan) und Amrut (Indien) lassen grüßen. Hier will man jedoch die ungewöhnlichen und unterschiedlichen Klimabedingungen des Landes ausnutzen und den Whisky in verschiedenen Regionen lagern. Angedacht sind beispielsweise das Tote Meer, die Gegend um Jerusalem und die Negev-Wüste. Der Whisky soll etwa 4 Jahre lagern, was im Sinne des Reifungsprozesses etwa 10 Jahren Lagerung in Schottland entspricht.

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2 Comments to “Milch und Honig in Israel”

  1. Toni says:

    Klingt nach einer wahren Herausforderung, ist die Nachfrage dort wirklich so hoch?
    Sehr interessant, kann man das ganze auf deinem Blog weiter verfolgen?

    • Stefan says:

      Mojn Toni,
      Ja, das ist in der Tat ein sehr interessantes Projekt… und für eine lokale/nationale Brennerei reicht die Nachfrage allemal.
      Ich werde das Vorhaben bestimmt weiter verfolgen, und dann auch den ersten New Make hier verkünden.
      Gruß, Stefan

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