Fass-Investment – eine gute Idee?

Ardbeg WhiskyfässerHand auf’s Herz: wer träumt nicht davon, viel Geld zu haben? Davon, für seine Ersparnisse eine sichere Anlagemöglichkeit zu finden, in die man heute investieren kann, um sich dann zurücklehnen und nach einem Jahr ganz entspannt 10… ach was, 20% Gewinn abschöpfen zu können. Davon, sich leicht eine goldene Nase verdienen zu können. Und dann kommt jemand daher und verspricht einem diese 10, diese 20% im Jahr. Dieser Jemand könnte heutzutage auch zu Investitionen in Whisky raten, genauer: in Whiskyfässer.

Spoiler Alert: Finger weg von solchen Ratschlägen!

Wer aktuell den Kauf von Whiskyfässern als Anlage oder Investition anpreist, ist häufig ein Trittbrettfahrer ohne fachliche Ausbildung im kommerziellen Bereich (es gibt löbliche Ausnahmen!). Selber den schnellen Euro zu machen, ist das vorrangige Ziel. Schwer hat man es heute sicher nicht, seine Ware über die „sozialen“ Medien an den Mann oder an die Frau zu bringen, denn Preise für Whisky steigen de facto.

Sogenannte Whiskyindizes, die Verkaufspreise von ausgewählten Abfüllungen renommierter und im vornherein erfolgreich gehandelter Brennereien monitorieren, müssen in regelmäßigen Abständen neue Skalierungen für die Indizierung einführen. Zudem bringen die Medien immer wieder entsprechende Berichte und lassen sich darüber aus, wie gut eine Investition in Whisky sein muss. Wer mehr als die Überschriften liest, wird allerdings feststellen müssen, dass es in beiden Fällen nur um Whisky in Flaschen geht. Nicht in Fässern.

Fass-Investment. Das klingt schon nach etwas solidem, nach einer risikoarmen Anlage. Was kann da schon schief gehen?

Vieles. Die Londoner Polizei hat erst kürzlich davor gewarnt, dem Gatten, der schon alles hat, mit Whisky im Fass ein besonderes Weihnachtsgeschenk machen zu wollen. Nach Polizeiangaben wurden im Jahr 2023 alleine in Großbritannien 89 Betrugsfälle gemeldet, in denen es um Investment in Alkohol (also nicht nur Whisky) ging. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 3 Millionen britische Pfund.

Oft beginnt alles mit verführerischen Überschriften und Versprechungen in den sozialen Medien, wie:

Genieße einen frühen Ruhestand mit den Gewinnen aus deiner Whiskyinvestition

Mache im Durchschnitt 13% pro Jahr mit Investitionen in Whisky

Im Gegensatz zu anderen Anlagen, sind Gewinne steuerfrei

Preise von seltenen Whiskys sind in den letzten 10 Jahren um 586% gestiegen
[in Anspielung auf eine Analyse von einem Whiskyindex, deren Besitzer eng in den Handel mit Whisky verwickelt sind oder waren, Anm. d. Red]

Die britische Werbeaufsicht, Advertising Standards Authority (ASA), konnte mit diesen Botschaften nicht viel anfangen und hat letzten Monat insgesamt 28 Firmen abgemahnt, die Whiskyfass-Investments anbieten. 28! Nur in Großbritannien! Dieser Markt ist beileibe nicht klein.

Die ASA will mit der Abmahnung insbesondere auf folgende Punkte aufmerksam machen:

  • Werbung für Whiskyfässer muss deutlich machen, dass eine Investition Risiken beinhalten kann
  • Sie darf nicht aussagen oder andeuten, dass Ergebnisse garantiert werden können
  • Aussagen zu möglichen Gewinnen müssen durch dokumentierbare Beweise unterstützt werden
  • Werbung muss darauf aufmerksam machen, dass Investitionen in Whisky nicht reguliert sind
  • Auf Gebühren und andere Kosten muss hingewiesen werden

Hier geht allerdings es nur um das Formelle in der Werbung. Um eine oberflächliche Absicherung und Information für potentielle Käufer, damit wenigstens nichts falsches versprochen wird. Was passiert aber, wenn man verleitet ist, seinen Fassbesitz in Geld umwandeln zu wollen? Dann kann man ganz schnell das oberflächliche hinter sich lassen und sollte sich, je nach Anbieter, besser selber mit seinen Rechten und Pflichten eines Fassbesitzers auseinander gesetzt haben.

Zunächst braucht Whisky bekanntlich viele Jahre, um im Fass zu reifen. In dieser Zeit kann mit dem Fass und auch mit der Investmentfirma viel passieren, Konkurs nicht ausgeschlossen.

Und überhaupt: wer stellt sicher, dass die Brennerei oder das Lagerhaus davon wissen, wem ein Fass gehört, wenn es gerade verkauft wurde? Dies wird normalerweise mit der Ausstellung eines Liefer- bzw. Bezugsscheins geregelt, der dem Warehouse vorliegen sollte und die Besitzrechte offiziell definiert. Der Anleger sollte sich vom Verkäufer in keinem Fall mit einer selbstgebastelten Besitzurkunde abspeisen lassen. Nicht einmal, wenn diese einen goldenen Rahmen hat.

Eine weitere Frage sollte sich mit Namensrechten beschäftigen. Gute Renditen sind eigentlich nur mit bekannten Namen zu erzielen. Jedoch lassen es nicht alle Brennereien zu, dass man ihre Namen für private Geschäfte verwendet. Spätestens bei einer Abfüllung des Fasses macht es einen großen Unterschied, ob man „Secret Highlander“ oder eben einen bekannten Brennereinamen auf das Flaschenlabel drucken darf.

Schon beim Kaufpreis muss man achtsam sein. Nicht selten liegt dieser heute schon so hoch, dass man auch bei längerer Lagerung aller Wahrscheinlichkeit nach kaum einen Cent an seiner Investition verdienen kann. Bevor der Whisky überlagert oder man Verlust beim Verkauf des Fasses macht, wäre eine mögliche Lösung, das Fass abfüllen zu lassen. Doch zum einen bedingt das weitere Kosten (Steuern, Flaschen, Label, Versand etc.). Zum anderen stehen auf einmal 250+ Flaschen im Wohnzimmer, die verkauft werden wollen.

Doch nicht nur bei Drittanbietern von Fässern gibt es offensichtlich Probleme. Man kann zwischendurch von Fällen lesen, wo interessierte Käufer Fässer direkt bei Brennereien erworben haben. Man unterschreibt einen Kaufvertrag, ist sich einig über Lagergebühren und Versicherungsbeiträge, und am Ende wird einem mitgeteilt, dass das Fass undicht war und mittlerweile entsorgt wurde. Beweise für eine Leckage gibt es also nicht, und der Käufer wird mit einer kläglichen Erstattungszahlung abgespeist.

In anderen Fällen werden Vertragsvereinbarungen einseitig durch die Brennerei geändert. Der Fassbesitzer bekommt beispielsweise keine Proben mehr zugeschickt, um die Entwicklung seines Whiskys verfolgen zu können. Davon kann er sich nur noch vor Ort und nach vorheriger Terminabsprache ein Bild machen. Oder die Lagergebühren werden empfindlich erhöht. Wenn der Käufer das nicht zahlen will oder kann, muss er selber eine neue Lagermöglichkeit für sein Fass finden und auch den Transport des Fasses dorthin organisieren. Mehrkosten inklusive.

Zuletzt gibt es auch das Risiko, dass sich für das Fass kein Käufer findet. Gründe hierfür können sehr unterschiedlich sein: zu hoher Preis, „uninteressante“ Brennerei, geschmackliche Fehlentwicklung, etc… Im letzteren Fall hilft nur ein Umfüllen in ein anderes Fass für ein Finish, um sein Geld nicht komplett in den Sand zu setzen. Wieder stehen Mehrkosten an und welcher Privatinvestor hat schon die Kontakte, so etwas zu organisieren?

Sollten Investitionen sich negativ oder gar zu einem Totalausfall entwickeln, gibt es keinerlei Absicherung. Darüber muss sich jeder Anleger im Klaren sein.

In wie weit die im September geschaffene Cask Whisky Association (CWA) mehr Sicherheit für Investoren schaffen kann, muss sich erst noch zeigen. Ersten Reaktionen aus der Whiskyindustrie zufolge fehlt es der Organisation an Möglichkeiten, ihre Ziele am Ende rechtlich durchsetzen zu können. Hingegen besteht ein Überschuss an Mitgliedern, die sich mit Fasshandel und Investitionen beschäftigen, und die somit unter Verdacht geraten können, nicht unparteiisch zu arbeiten.

Wer also mit dem Gedanken spielt, sein Geld in Whiskyfässer zu investieren, sollte dies nur tun, wenn er zu viel davon hat. Niemand, der sich auch nur ein wenig mit dieser Art von Anlagen auseinandersetzt, wird später sagen können, dass es sich hierbei um ein risikoarmes Geschäft handelt.

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