Blended Whisky

Apr 17th, 2012 | By | Category: Herstellung

Chivas Regal 12yoWas ist Blended Whisky? Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich recht einfach: er ist der Grund dafür, dass sich Whisky heute weltweit einer immer größer werdenden Beliebtheit erfreut. Blended Whisky hat einem Single Malt Whisky gegenüber wohl die beiden wesentlich Unterschiede, dass er zum einen preiswert industriell hergestellt werden kann, und zum anderen der weichere, weniger gemälzte Geschmack den meisten Gaumen eher zusagt. Technisch gesehen besteht ein Blended Whisky aus einer Mischung aus Grain Whisky (also aus Getreide) und Malt Whisky (aus gemälzter Gerste).

Produziert wird der weitaus günstigere Grain Whisky in sogenannten Patent Stills, die wegen ihrer kontinuierlichen Arbeitsweise auch ‘Continuous Stills’ oder – nach Aeneas Coffey, der die Arbeitsweise der Patent Stills wesentlich verbesserte – ‘Coffey Stills’ genannt werden. Günstig wird der Grain Whisky dadurch, dass Patent Stills im Gegensatz zu Pot Stills, in denen Malt Whisky gebrannt wird, nicht gereinigt werden müssen und ohne größere Ausfallzeiten gebrannt werden kann. So kann man rund um die Uhr Whisky aus dem Rohstoff Getreide destillieren, das noch nicht einmal aufwändig und teuer gemälzt und getrocknet werden muss.

Die Produktion von Grain Whiskys wurde jedoch erst nach 1826 möglich, nachdem die Patent Stills entwickelt wurden. Vorher gab es nur mit viel Handkraft hergestellten Malt Whisky, den jedoch außerhalb von Schottland kaum jemand kannte, geschweige denn trinken wollte. Nach langem Streit zwischen den Destillerien, die mit Pot Stills bzw. mit Patent Stills brannten, wurde im Jahre 1909 auch Alkohol aus ungemälztem Getreide das Recht zugesprochen, sich Whisky nennen zu dürfen.

Warum die Brennmeister sich allerdings dazu entschlossen, einen günstig produzierten Grain Whisky mit einem teuren Malt Whisky zu vermischen, um daraus einen Blended Whisky zu kreieren, ist den Geschichtsbüchern nicht eindeutig zu entnehmen. Schieben wir die Schuld an dieser Stelle der Einfachheit halber auf den Selbstverwirklichsdrang und den Stolz der schottischen Brennmeister der alten Schule. Sie wollten wohl nicht, dass ein industriell produzierter Fusel, der kaum nach Whisky schmeckte, den Massen den Gaumen verdrehte. So wird dem Grain Whisky mit einer handverlesenen Auswahl an Malt Whisky ein wenig echter Geschmack hinzugegeben. So entstanden zunächst bis heute bekannte Marken wie Black & White, Dewar´s, White Horse oder VAT 69.

Als Getreide kann für einen Grain Whisky grob gesagt irgendein Getreide verwendet werden. Es muss nur genügend Stärke enthalten, die später zu Alkohol werden kann. Dafür wird jedoch immer mindestens ein kleiner Teil Gerste verwendet, da nur Gerste ein Enzym enthält, das Stärke in Zucker umwandeln kann. Dass ein Schotte auch heute noch leugnet, dass die frühen Grain Whiskys aus Mais destilliert wurden, verwundert dabei kaum, wollen diese doch nicht, dass man deren Whiskys mit amerikanischem Bourbon gleichsetzt, der aus 51% Mais gebrannt werden. Da Mais in Schottland aber kaum verfügbar ist und importiert werden muss, kommt heute sehr häufig günstigerer Weizen in die Maische.

Um eine Vorstellung von der Größenordnung bezüglich der produzierten Mengen an Grain bzw. Blended Whisky und zum Ausstoß der wenigen Grain Destillerien in Schottland zu erhalten, sollte man sich folgende Zahlen vor Augen halten: auf etwa 90 zur Zeit aktiven Malt Destillerien kommen nur knapp 10 Destillerien, die Grain Whisky herstellen. Jedoch werden über 90% der gesamten Produktion von Malt Whisky für die Herstellung von Blends verwendet. Und das obwohl die Malt Whiskys in einem Blend im Schnitt nur ungefähr 10 bis 20% ausmachen. Der Rest ist Grain, Grain und nochmals Grain.

Die Lagerhäuser von Grain-Marken wie Chivas oder Ballentine’s sind dementsprechend gigantisch. Doch lagern muss ein Grain Whisky ebenso wie jeder Single Malt Whisky mindestens 3 Jahre in Eichenfässern. Sonst darf man das Destillat nicht Whisky nennen. Und wenn auf einer Flasche eines Blended Whisky die Altersangabe 12 steht, dann hat sowohl der verwendete Grain Whisky als auch der hinzugegebene Malt Whisky mindestens 12 Jahre in Eichenfässern verbringen müssen, bevor er in Flaschen abgefüllt wurde.

Zurück zu der Mischung aus Grain und Malt. Der Anteil von Grain zu Malt bestimmt sich aus der geschmacklichen Stärke des gewählten Malt Whisky und dem gewünschten Geschmackserlebnis des Blends. Bei milden Malts braucht es eben ein wenig mehr, um mit dem Grain Whisky einen universell trinkbaren Tropfen zu mischen. Bei einem Bushmills geht der Anteil des Malt sogar bis an die 80%, ein Chivas Regal kann noch mit ungefähr 50% aufwarten. Der Malt Whisky in einem Johnnie Walker Red Label ist jedoch für den gewünschten Geschmack des Blends schon so kräftig, dass dieser mehr als 80% Grain Whisky enthält – was sich auch im Preis niederschlägt.

Das Mischen von Grain und Malt verlangt eine enorme Erfahrung. Der Kunde will ja schließlich keine Variation im Geschmack seines Blends feststellen. Da verschiedene Produktionschargen von Grain und Malt Whisky jedoch nie gleich schmecken, müssen teilweise an paar Dutzend unterschiedliche Malts in einem Blended Whisky verschnitten werden. In der Regel werden vom Blend Master dann aus über 100 verschiedenen Malts etwa 10 ausgewählt, die den Grundgeschmack – den sogenannten Lead Whisky – definieren. Ein Handvoll weiterer Malts wird dann in kleineren Mengen für die Feinabstimmung hinzugegeben. Es gibt aber auch ein paar sehr exklusive Blends, die eine Komposition aus mehr als 100 Malt Whiskys und dadurch entsprechend kostspielig sind.

Die Malt Whiskys für den Lead Whisky stammen aus allen Regionen Schottlands: Highlands und Speyside sorgen für Tiefe und Komplexität, Islay stellt den unverwechselbaren Rauch zur Verfügung und die Lowlands geben dem Blend eine weiche und fruchtige Note. Da der Lead Whisky ein unverzichtbarer Teil eines Blends ist, muss hier eine gewisse Liefersicherheit gewährleistet sein. Der Blend Master hat für den Fall von Lieferschwierigkeiten immer einen Plan B klar, nach dem er immer einen oder zwei vergleichbare Whiskys zur Hand hat, die zur Not als Ersatz dienen können.

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10 Comments to “Blended Whisky”

  1. […] aus ihrem Rauchzart einen Blended Scotch machten […]

  2. […] nie für Blends eingesetzt oder als Massenware vertrieben werden […]

  3. […] wie sich die Preise zwischen Blend und Single Malt verteilen, macht das Sinn. […]

  4. […] Blends werden diesem Trend jedoch wahrscheinlich widerstehen können, […]

  5. […] für die nächsten 100 Jahre schon grob vorgegeben: Single Malt für Blended Whiskys. Auch durch den nächsten Besitzer, Hiram Walker und in der Folge Allied Distillers, […]

  6. […] Der Großteil dieser Whiskys besteht aus Blends, die aber auch nicht unbedingt viel mit den europäischen Namensvettern gemein haben. […]

  7. […] deren Destillate damals noch zu großem Teilen in Blends verarbeitet wurden. […]

  8. […] erst 1865 wurde der erste Blend durch John’s Sohn Alexander auf den Markt gebracht. […]

  9. […] Das war damals allerdings noch kein Problem, da man nur Blended Whiskys kannte […]

  10. […] für den weltweiten Siegeszug ihres Blends ‘Johnnie Walker’ einsetzten […]

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