Torabhaig – a Gaelic whisky

Sep 10th, 2014 | By | Category: Destillerien

Torabhaig Distillery Gaelic Whisky SkyeAuf der schottischen Insel Skye sind Whiskybrennereien stark unterrepräsentiert. Das soll sich durch die Errichtung der Torabhaig Distillery nun aber ändern. Die bisher einzige Brennerei auf der Isle of Skye, Talisker, bekommt also einen Nachbarn. Am Sound of Sleat im Südosten der Insel soll der erste Destillerieneubau seit dem Jahr 1831 auf der Cnoc Farm mit Blick über die Cnoc Bay entstehen. Die landschaftlich unglaublich schöne, aber etwas abgelegene Isle of Skye würde durch eine zweite Brennerei sicherlich auch für Touristen weiter an Attraktivität gewinnen.

Torabhaig soll eine kleine und traditionell arbeitende Brennerei werden, die bis zu 8 willkommene Arbeitsplätze für die Region schaffen wird. Der Begriff ‘traditionell’ steht in diesem Fall nicht nur in Zusammenhang mit der Produktion von Single Malt Whisky, sondern auch und vor allem bezieht man sich dabei auf die gälische Kultur in und um Skye. Mitarbeiter der neuen Destillerie sollen auf jeden Fall die gälische Sprache beherrschen. Zudem liegt der Standort der Brennerei nicht von ungefähr auf den Ländereien des 2010 verstorbenen Sir Iain Noble.

Lage der Torabaigh Distillery Skye

Noble förderte als Bankier und Unternehmer die gälische Sprache und Kultur auf Skye, wo er nur konnte. Bei allen geschäftlichen Initiativen, die er anstieß, legte er großen Wert darauf, dass die gälischsprechende Bevölkerung daraus profitieren konnte. So gründete er unter anderem 1976 den unabhängigen Whiskyproduzenten und Abfüller ‘Pràban na Linne‘, mit dem Untertitel ‘The Gaelic Whiskies’. Darüber hinaus hat er auch mehrere Jahrzehnte an der Verwirklichung seines Traumes, dem Bau einer eigenen Whiskybrennerei in Torabhaig, gearbeitet. Dieser zu Lebzeiten unerfüllte Traum scheint nun knapp 4 Jahre nach seinem Tod in Erfüllung zu gehen.

Mossburn Distillers Ltd. will als Besitzer der künftigen Brennerei 5 Millionen Britische Pfund in den Neubau stecken und rechnet damit, dass man 2016 den ersten Brennvorgang starten kann. Das Torabhaig-Projekt wäre die erste Single Malt Distillery von Mossburn in Schottland, die ein noch recht unbeschriebenes Blatt in der Szene sind. Mossburn ist eine indirekte Tochter der schwedischen Investmentfirma Haydn Holding und der Mutterkonzern produziert jährlich etwa 3 Millionen Flaschen Wein, Wodka und Rum in Russland, dem Kaukasus, Polen, der Schweiz und Frankreich. In Großbritannien ist dieser seit 30 Jahren als Importeur und Exporteur tätig.

Lage der Torabhaig Distillery, SkyeDie Firma wurde 2013 speziell für das Torabhaig-Projekt durch den heutigen Firmenchef, Neil Mathieson, gegründet, der schon 10 Jahre vor dem Tod Sir Iain Nobles mit ihm in Kontakt stand und das Torabhaig-Projekt seitdem verfolgte. Aufmerksamkeit erregte Mossburn zum ersten Mal Mitte Februar eben durch die Meldung zum Bau von Torabhaig und wenige Tage danach durch veröffentlichte Pläne zum Bau einer weiteren Brennerei mit Abfüllanlage, diesmal aber in der Nähe von Jedburgh (Lowlands) etwa 10 km von der englischen Grenze entfernt. Die Gesamtinvestitionssumme soll bei 35 bis 40 Millionen Britischen Pfund liegen!

Ein detailliertes Konzept wurde für die Torabhaig-Brennerei bisher jedoch nicht öffentlich und auf der Webseite von Pràban na Linne sind auch alle früheren Inhalte diesbezüglich verschwunden. Es wurde früher von Mossburn Distillers lediglich erklärt, dass man die Brennerei für Besucher öffnen würde, was wohl auch im Sinne von Sir Iain Noble gewesen wäre.

In Torabhaig soll bis zu einer halben Million Liter Single Malt jährlich produzieren werden, was also in der Größenordnung der Kapazität von Benromach läge. Über den Geschmack des Single Malts will man sich bei Mossburn aber erst im nächsten Jahr Gedanken machen. Nur eines scheint schon geklärt zu sein: wenn alle Pläne sich umsetzten lassen, soll der Großteil des Whiskys nicht in Torabhaig sondern in Mossburn’s Jedburgh-Projekt an der Grenze zu England lagern und reifen. Nun ja, so weit also zum gälischen Ansatz…

Bei vielen zur Zeit neu entstehenden oder entstandenen Whiskybrennereien ist das Geschäftsmodell im wesentlichen aus der Not heraus geboren. Man muss möglichst schnell möglichst viel Umsatz generieren. In diesen Fällen fehlt schlichtweg das notwendige Anfangskapital für einen längeren Atem oder Kreditgeber leugnen den Sinn langjähriger Whiskyreifung. Dann wird auch schon mal Gin produziert oder es werden Fässer mit New Make schon vor dem Brennstart verkauft. Anders bei Mossburn Distillers. Hier scheint man sich den Aufgaben einer Whiskybrennerei bewusst zu sein, und man akzeptiert lange Jahre ohne wirtschaftlichen Sinn.

Neil Mathieson baut daher auf einen voll finanzierten Geschäftsplan, der auf 25 Jahre angelegt ist. In diesem ist eine Finanzierung des Projektes durch Verkauf von Fässern oder von New Make nicht vorgesehen. Die ersten Tropfen sollen nach etwa 5 Jahren abgefüllt und verkauft werden, um den Stil des Whiskys dem Markt näher zu bringen. Standardabfüllungen sollen aber erst mit 10 oder 12 Jahren verkauft werden, je nach dem welches Geschmacksprofil der Whisky am Ende aufweist.

Baupläne der Torabhaig Distillery, SkyeDie Pläne zum Umbau der denkmalgeschützten Gebäude der Cnoc Farm wurden von den Architekten Simpson & Brown aus Edinburgh erarbeitet, die unter anderem auch an den Neu- bzw. Umbauten der Strathisla Distillery und der Kingsbarn Distillery beteilgt waren. Bei Simpson & Brown hatte man sich bereits zu Nobles Zeiten mit Entwürfen für Torabhaig beschäftigt. Man will die Brennerei auf jeden Fall in die bestehenden Gebäude der Farm integrieren, um so viel wie möglich des alten Flairs zu bewahren. Die Pläne sehen aber auch den Bau eines neuen Gebäudeteiles mit Pagodendach vor, sowie die Konstruktion eines anhebbaren Daches, das den Austausch der Brennkessel erlaubt.

Die Arbeiten an den alten Gebäuden – um sie nicht als Ruinen zu bezeichnen – sind mittlerweile wie geplant begonnen worden. Mal sehen, wie es in den kommenden Jahren weiter geht. Wenn Mossburn weiterhin so still und leise arbeitet wie bisher, kann man aber befürchten, dass auf einmal irgendwo ein Torabhaig Single Malt im Regal steht und keiner weiß, wo er herkommt.

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