Die neue Whiskybrennerei: Glen Cluich-gu-math

Distillery Glen Cluich-gu-math

Glen Clu-was? Nie gehört! Stimmt, das ist auch eine ganz neue Whiskydestillerie in Schottland, die nun offiziell, nach etwas mehr als 2 Jahren intensiver Planungs- und Bauzeit, ihre Türen für interessierte Besucher geöffnet hat. Die Brennerei liegt im Herzen der schottischen Region Plastaig und kann zur Herstellung ihres Whiskys auf das vielleicht reinste Quellwasser nördlich des Hadrianswalls zurückgreifen. Der genauso ungewöhnliche wie gälische Name wird in etwa wie „Kluch-ge-mah“ ausgesprochen, mit hartem „ch“ und kurzem „e“ (/kʰl̪ˠuç/-/ɡ̊ə/-/mã/), und hat seinen Ursprung in einer Abkürzung eines Ausdrucks aus den alten nordischen Sprachen.

Distillery Glen Cluich-gu-math

Glen Cluich-gu-math wurde als Familienbetrieb sehr traditionell geplant, wobei großer Wert auf Ressourcenschonung und den Einsatz lokaler Rohstoffe gelegt wurde. So wird die Gerste beispielsweise auf den Feldern der Umgebung geerntet, in einem ersten Schritt im hauseigenen „steeping vessel“ (gibt es hierfür eigentlich eine brauchbare deutsche Übersetzung? „Einweichbehälter“ klingt doof…) eingeweicht und anschließend auf den beiden Mälzböden zum Keimen gebracht. Die Keimung wird im Darrboden mit seinem kennzeichnenden Pagodendach durch Hitze vom darunter liegenden und mit Torf befeuerten Ofen, dem Kiln, gestoppt. Danach wird das Malz in der guten alten Porteus-Mühle geschrotet. Im Maischebottich aus Edelstahl, der Mash Tun, wird das Malz mehrmals mit heißem Wasser vermischt, um daraus die Würze für den Gärprozess zu gewinnen. Natürlich alles mit Wärmerückgewinnung, der Umwelt zu Liebe.

Distillery Glen Cluich-gu-mathDistillery Glen Cluich-gu-mathDistillery Glen Cluich-gu-math

Für die Fermentierung stehen zwei klassische Gärbottiche aus Kiefernholz, die Wash Backs, zur Verfügung, jeweils mit einem Fassungsvermögen von 10280 Litern. Selbstverständlich wird eine ökologische Hefe verwendet. Die Gärzeit liegt bei 96 Stunden, um dem Whisky viele Fruchtnoten und eine höhere Komplexität zu verleihen. Die Destillation erfolgt in zwei kleineren, aufgearbeiteten Brennblasenpaaren. Die beiden Wash Stills haben jeweils eine Kapazität von 4570 Litern, die beiden Spirit Stills liegen bei jeweils 3080 Litern.

Wir bewegen uns also am unteren Ende der Produktionsmengen, die eine durchschnittliche schottische Whiskybrennerei sonst aufweisen kann. Qualität vor Quantität. Der erste Whisky soll dann als 8-jähriger Single Malt im Jahre 2034 abgefüllt werden. So viel Zeit muss sein.

Distillery Glen Cluich-gu-mathDistillery Glen Cluich-gu-mathDistillery Glen Cluich-gu-math

Zur eigentlichen Brennerei gehört auch ein kleineres Dunnage Warehouse, in dem aktuell Platz für ca. 40.000 Liter reifenden Whiskys ist. Das muss in den kommenden Jahren natürlich ausgebaut werden, aber da qualitativ hochwertige Fässer aktuell sehr teuer sind, muss das noch warten. Dem Lagerhaus angeschlossen ist auch eine Küferei. Daneben gibt es noch einen Brennereishop mit allerlei flüssigen und nicht flüssigen Leckereien.

Wie schon geschrieben: Besucher sind herzlich willkommen in Schottlands neuster Destillerie!

Distillery Glen Cluich-gu-mathDistillery Glen Cluich-gu-mathDistillery Glen Cluich-gu-math

So weit zur Prosa.
Jetzt zur Wirklichkeit.

Wie kommt man überhaupt dazu, eine typisch schottische Whiskydestillerie aus LEGO® Steinen bauen zu wollen? Für einen Bauingenieur mit Vorliebe für Whisky und Spaß an LEGO sollte sich diese Frage kaum stellen. Mich wunderte es nur, warum ich nirgendwo ein schönes MOC („my own creation“) aus Klemmbausteinen in einer vernünftigen Größe auf einschlägigen Online-Klemmbaustein-Plattformen finden konnte.

Distillery Glen Cluich-gu-math
Distillery Glen Cluich-gu-math

Ich ging meine Idee zunächst mit der größten Herausforderung an, die ich mir vor 2 Jahren in meinem jugendlichen Leichtsinn vorstellen konnte: den Brennblasen. Wie stelle ich komplex-gerundete Objekte in relativ kleinem Maßstab mit eckigen Steinen dar… puha! Ich versuchte also die Brennblasen aus Bausteinen in allen möglich Größen, Formen und Farben halbwegs naturgetreu nachzubauen. Ja, das ist nicht leicht, weil LEGO leider auch nicht alle Steine in allen Farben anbietet, schon gar nicht runde Steine.

Aber die größte Herausforderung war das noch lange nicht – die lag auf einem ganz anderen Gebiet. Dazu später mehr. Immerhin konnte ich anfänglich schon zwei wichtige Fragen erfolgreich klären: 1. ja, man kann Brennblasen aus LEGO bauen (wenn auch nur in „bunten“ Kupferfarben) und 2. hatte ich nun einen Maßstab für die Planung des weiteren Drumherums.

Distillery Glen Cluich-gu-math

Da ich mich mit der offiziellen LEGO Bausoftware „BrickLink Studio“ nicht wirklich anfreunden kann, plante ich das Gebäude grob mit SketchUp durch. Dort kann man im 3D Warehouse umfangreichere Modellsammlungen von Klemmbausteinen finden und in sein eigenes Projekt einfügen. Mittlerweile habe ich meine Steinebibliothek noch um einiges ergänzt. Das Ergebnis sah nach besten Wissen und Gewissen ausgeführter Vorplanung aus wie nebenan dargestellt.

Der Grundriss der Brennerei misst nach allen Umplanungen 46 x 40 Noppen, zuzüglich Kiln und Anbauten mit 12 x 36 Noppen. Das sind umgerechnet 36,8 x 32 cm… plus Anbauten. In der Höhe kommt das Gebäude auf 29,1 cm. Das Lagerhaus ist als Ergebnis einiger Erweiterungen nun 32,5 x 22,4 cm groß, bei einer Höhe von 14,4 cm. Der Shop ist mit 19,2 x 14,4 cm (Höhe 12,5 cm) ein ganzes Stück kleiner als die anderen beiden Gebäude, kann aber bei schönem Wetter um eine Freiterrasse erweitert werden.

Distillery Glen Cluich-gu-mathDistillery Glen Cluich-gu-mathDistillery Glen Cluich-gu-math

Ich schätze, dass ich in diesem dreiteiligen MOC um die 5.000 Steine verbaut habe… plus-minus ein paar Tausend. Dazu kommen noch viele Hundert Steine, die ich zwar gekauft, aber aufgrund geänderter Wünsche des Bauherrn am Ende doch nicht verwenden konnte. Über den Gesamtpreis aller verbauten Steine will ich mich gar nicht auslassen – insbesondere wegen der mit den Käufen verbundenen Portokosten. Dafür hätte ich mir bestimmt auch eine nette pränatale Abfüllung von Highland Park oder Glendronach zulegen können.

Apropos Porto. Hier komme ich schlussendlich zu meiner, wie es sich herausstellen sollte, größten Herausforderung: dem neuzeitlichen dänischen Postwesen. Briefpost und kleine Päckchen werden seit ein paar Jahren nicht mehr bei Bedarf, sondern nur noch sporadisch ausgetragen. Zustellpausen von 2 Wochen sind keine Seltenheit. Postalische Diaspora.

Wenn man nun eine tolle Idee für den Weiterbau seines Projektes hat, dafür auf BrickLink die notwendigen Steine bestellt, aber dann Wochen auf den Erhalt warten muss, kann das zu zwei Problemen führen: 1. hat man womöglich vergessen, wie man die neuen Steine verwenden wollte, und 2. kann es sein, dass die Idee doch nicht ganz so ausgereift war wie gedacht, und man noch Steine nachbestellen muss. Dann kann sich der Bau eines Shopregals schon mal etliche Sonntage hinziehen.

Dennoch haben mir die Planung und der Bau meiner eigenen kleinen Brennerei sehr viel Spaß gemacht. Und was noch viel schöner ist: ich kann jetzt bei ein paar gemütlichen Drams mit Freunden ziemlich anschaulich erklären, wie Whisky hergestellt wird. Nur selber brennen geht damit leider nicht…

Leave a Comment