The Peerless Collection

Duncan Taylor PeerlessPeerless. Das Online-Wörterbuch LEO übersetzt dieses englische Wort ins Deutsche mit ‚unvergleichlich‘. Schlägt man den Begriff ‚peerless‘ im Oxford Dictionary nach, werden auch dort Begriffe wie unequalled und unrivalled – also ebenfalls Übersetzungen für ‚unvergleichlich‘ oder ‚unerreicht‘ – als Erklärungen angegeben. Gibt man Abfüllungen von Whisky den Namen ‚Peerless Collection‘, muss man also schon etwas recht besonderes abfüllen können. Und das konnte und kann der unabhängige schottische Abfüller Duncan Taylor – aus besonderem Grund, der in der Geschichte der Firma zu suchen ist.

Die Geschichte dieser Abfüllungen beginnt nicht etwa in den schottischen Highlands, wie man vermuten könnte, sondern irgendwo in den USA zu Zeiten der Prohibition. Dort gab es den tüchtigen Geschäftsmann Abe Rosenberg, der am Ende der Prohibition im Jahre 1933 ein gutes Geschäft witterte und eine Handelslizenz für Alkohol beantragte. Zusammen mit zwei Brüdern gründete er die kleine Firma ‚Star Liqour Dealers‘ auf Long Island, die nach kurzer Zeit in ‚Star Industries‘ umbenannt wurde und für den Import von Grand Marnier und Bombay Gin in die USA standen. Diese Firma existiert übrigens heute noch.

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg wurde Rosenberg Partner von Charlie Guttman in der Firma Paddington Corporation, die J&B Scotch in die USA importierte. Der Verkauf begann schleppend, doch Rosenberg konnte mit einer Mischung aus Können und Geschick den Umsatz der Firma beträchtlich steigern und sie zu einer der größten in den USA machen. Das weckte Begehrlichkeiten und 1980 wurden beiden Firmen über Umwege und für einige Millionen Dollar an Grand Metropolitan PLC verkauft, die heute wiederum unter dem allgegenwärtigen Namen Diageo firmieren.

Doch was hat dieser Abe Rosenberg nun mit der ‚Peerless Collection‘ von Duncan Taylor zu tun? Ganz einfach: es ist seine Sammlung. Rosenberg zeigte schon zu Zeiten der Zweiten Weltkrieges Interesse an der 1938 in Glasgow gegründeten Firma Duncan Taylor & Co., nachdem schottische Whiskys zu seinem Steckenpferd wurden. Duncan Taylor arbeitete damals hauptsächlich als Händler und Makler von Whisky innerhalb der Branche. Rosenberg kaufte Duncan Taylor schlussendlich als geschäftliche Investition für die Zukunft und als Holding vor Ort für seine späteren umfassenden Whiskykäufe.

Als Normalsterblicher würde man nun erwarten, dass die Größenordnung dieser Käufe sich im Bereich von ein paar Fässern bewegt. Weit gefehlt! Rosenberg machte keine halben Sachen und kaufte bei ausgewählten Destillerien Schottlands seit den frühen 60er Jahren mehrere Hundert Fässer – pro Jahr! Im Wesentlichen galt seine Kaufleidenschaft Destillerien von der Isle of Islay (z.B. Bowmore, Bunnahabhain), von Highland Park sowie von Brennereien aus den Highlands (z.B. Caperdonich, Glenlivet, Glen Grant, Glenrothes), deren Destillate damals noch zu großem Teilen in Blends verarbeitet wurden. Im Laufe der Jahre kamen so über 4.000 Fässer zusammen, die – befüllt mit frisch destilliertem Gerstenmalz – in den Lagerhäusern der Destillerien reifen durften. Heute sind diese ehemals als Standard geltenden Destillate ein Vermögen wert.

Als Abe Rosenberg am 5. Juni 1994 in Manhattan an Krebs starb, wurden auch die Geschäfte von Duncan Taylor & Co. beendet und die Firma musste schließen. Doch die 4.000 Fässer, die mit ihren Single Malts und Single Grains bereits mehr als 20 Jahre lagerten und deren Großteil älter als 30 Jahre war, blieben erhalten. Es war und ist die weltweit größte Sammlungen alter und seltener Whiskys in Privatbesitz. Doch was sollte mit all den Fässern passieren? Rosenberg und seine Frau hatten zu Lebzeiten schon eine wohltätigen Stiftung gegründet, die das Vermögen Rosenbergs und damit auch den Whiskyschatz erst einmal verwaltete.

Nachdem man die positiven Entwicklungen auf dem Whiskymarkt nach dem Tod von Rosenberg zunächst ein wenig verfolgte, versuchte man ab der Jahrtausendwende die Fässer zu verkaufen. Man wandte sich unter anderem an Euan Shand, der selber seine Wurzeln in der Whiskybranche hat und unter anderem bei Glendronach und Ardmore arbeitete, in der Hoffnung, dass dieser beim Verkauf behilflich sein könnte – was sich in Anbetracht der Menge der Fässer, die zudem über ganz Schottland verteilt lagerten, als nicht ganz einfach herausstellte. Shand zeigte sich von der Vielfalt der Whiskys und deren Qualität jedoch so angetan, dass er im Jahre 2002 zusammen mit seinem Partner Alan Gordon die Rechte an den Fässern selber erwarb. Gemeinsam ließen die beiden dann den Namen Duncan Taylor & Co. wieder aufleben, dieses Mal als unabhängigen Abfüller von Single Malts mit unerreichter Klasse. Neben der Peerless Collection stammen heute beispielsweise noch bekanntere Abfüllungen mit den Namen ‚Whisky Galore‘, ‚Rarest of the Rare‘ und ‚NC2‘ von Duncan Taylor.

Duncan Taylor konnte nun also die besagten Abfüllungen mit dem Namen Peerless auf den Markt bringen. In der Anfangszeit des Verkaufs der Rosenberg-Fässer mussten alle Abfüllungen ein Mindestalter von 30 Jahren haben. Und die Abfüllungen waren gänzlich naturbelassen, d.h. in Fassstärke und weder kohlegefiltert, kühlgefiltert noch künstlich gefärbt. Schon nach kurzer Zeit hatte man sich damit in der Szene einen hervorragenden Ruf als unabhängiger Abfüller erworben. Probleme bekam man allerdings in den USA, wo die amerikanischer Rechtssprechung den Namen so gar nicht mochte. Euan Shand entschloss sich daraufhin, die hochwertigen Abfüllungen der Peerless Collection ab 2004 unter dem Firmennamen Duncan Taylor mit dem Zusatz ‚Rare Auld‘ bzw. ‚Cask Strength‘ zu vertreiben.

Doch musste man in dieser Anfangszeit ebenfalls viele der Fässer von Abe Rosenberg an andere unabhängige Abfüller sowie an die Destillerien zurückverkaufen, um den Kauf der Rosenberg-Sammlung überhaupt finanzieren und die fälligen Zinsen an die Banken zahlen zu können. Das sollte auch der Grund dafür sein, dass vor knapp 10 Jahren von einer handvoll Destillerien und unabhängigen Abfüllern plötzlich so überdurchschnittlich viele Abfüllungen aus den 60er Jahren auf den Markt gebracht wurden.

Vor nicht allzu langer Zeit ist die Peerless Collection dann wieder auferstanden. Abgefüllt werden jetzt aber scheinbar Malts mit einem Alter von 40 Jahren und aufwärts. Die Lagerung erfolgt nach wie vor in den lokalen Lagerhäusern der Destillerien, in denen die Fässer damals abgefüllt wurden. Gelagert wird in ehemaligen Bourbon-, Sherry- oder Portfässern. Diese neue Serie, die ‚Peerless Range‘, kommt in neuer Flasche daher und mit neuem Etikett, auf dem der Jahrgang viel deutlicher betont wird.

Aufpassen muss Duncan Taylor allerdings auf die offiziellen Vorgaben, die ein Gerstenmalzdestillat aus Schottland als Whisky definieren. Demnach muss der flüssige Inhalt einer Flasche mindestens 40% Alkohol (volumenbezogen) enthalten, damit ein Whisky sich auch Whisky nennen darf. Doch dem macht nach 40 Jahren Fasslagerung und mehr der Angel’s Share gelegentlich einen Strich durch die Rechnung. So bietet Duncan Taylor zur Zeit beispielsweise zwei 40-jährige Abfüllungen aus dem Jahre 1968 – einen Tamdhu mit exakt 40,0% sowie einen Highland Park mit 40,1% – an.

Für Fässer, deren Alkoholgehalt bereits unter die magische Grenze von 40% gefallen ist, und für Fässer, deren Geschmack mit den Jahren zu viel gelitten hat, hat man allerdings auch Verwendung gefunden. Man erschuf kurzerhand die Lonach Collection, in der zwei Fässer einer einzigen Destillerie in einer Abfüllung vermählt werden. Dass dabei ‚gelegentlich‘ – wie Duncan Taylor es auf seiner Homepage so nett ausdrückt – Fässer mit zu geringem Alkoholgehalt mit Fässern vermischt werden, die noch höherprozentigen Whisky enthalten, geschieht dann wohl nur eher zufällig.

Eine weitere Herausforderung der langen Reifezeit liegt in der übrigbleibenden Menge in einem Fass. Als Angel’s Share bezeichnet man zwar den Alkohol, der im Laufe der Jahre aus einem Eichenfass verdunstet, doch auch die Menge der Flüssigkeit in einem Fass nimmt aus dem gleichen Grund mit der Zeit ab. Da kann es schon vorkommen, dass ein Hogshead nicht mehr als 100-120 Flaschen hergibt, doch das macht eine Einzelfassabfüllung natürlich nur noch exklusiver.

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