Die ersten 1000 sind voll… oder leer…

Jubiläum 1000 verkosteter Whiskys

… und damit meine ich Flaschen und Fläschchen in allen Größen, Farben und Formen – Hauptsache Whisky war drin. Oder anders gesagt: ich habe 1000 Whiskys verkostet und meine Eindrücke hier im Whisky-Journal veröffentlicht. Naja, eigentlich sind es weit mehr als 1000 Eindrücke, aber die vielen auf Messen oder bei Tastings oder mit Freunden probierten Drams lasse ich unberücksichtigt, weil ich für diese hier eben keine Notizen gemacht habe.

15 Jahre für 1000 Verkostungen sind eigentlich eine vergleichsweise lange Zeit. Umgerechnet fünfeinhalb Tage für eine Veröffentlichung.

Damit lande ich weit hinter anderen Bloggern, wie Serge Valentin mit über 28.000 in 25 Jahren, Patrick Corbuso mit mehr als 6.000 in 20 Jahren oder Ruben Luyten mit etwa 6.600 nach knapp 20 Jahren. Doch die Menge ist nicht mein Ziel.

Ich probiere Whisky aus Spaß an der Freude. Manchmal ist es ein Dram aus einer gekauften oder auf einer Auktion gewonnenen Flasche, manchmal ist es ein Dram aus einer Flaschenteilung mit Gleichgesinnten. Darum ganz ehrlich: ich habe weder Lust noch Zeit mich Abend für Abend mit 4 oder mehr Whiskys zu beschäftigen. Ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Herausforderungen, die auftreten können, wenn man unter einer Spucknapfallergie leidet.

Und wenn ich Whisky teilweise auch seziere, kann ich dafür niemals und guten Gewissens Punkte auf einer 100-er Skala verteilen (und am Ende nur die obere Hälfte davon nutzen). Ich sehe für mich eher 5 simple Kategorien als sinnvoll an: Desinfektionsmittel, Colamischung, Lustigmacher, Handwerkskunst und Gottesgeschenk.

Womit ich ein wenig Statistik meines „vergangenen“ Geschmacks betreiben will.

Die bislang probierten 999 Drams sind folgendermaßen in den Kategorien verteilt… mein Geschmack ist also überhaupt nicht Gauß-kompatibel:

Von diesen 999 Eindrücken gehen die meisten auf das Konto von Caperdonich (natürlich), ganze 62 an der Zahl. Es sind also nur 531 Abfüllungen, die ich noch nicht probiert habe. Auf den Plätzen folgt die vereinigte Islay-Phalanx: Ardbeg (37), Bunnahabhain (33), Bowmore (21), Bruichladdich (20) und Caol Ila (19).

Vielleicht habe ich mit Caperdonich ja eine Lieblingsbrennerei, aber zu Islay sage ich scheinbar nicht nein – zumal Lagavulin mit 4 Lustigmachern, 5 Handwerkskünsten und einem Gottesgeschenk auch weit oben auf meiner Favoritenliste steht. Genauso wie Macallan (die alten Abfüllungen), Laphroaig und Teaninich.

Auch übergeordnet liegt mein Fokus scheinbar auf Scotch Whiskys: knapp 90% aller probierten Malts und Grains kommen aus Schottland, wobei die Speyside mit ungefähr 35% der regionale Spitzenreiter ist. Geschmacksmäßig liegen allerdings die West Highlands mit Brennereien wie Oban und Ben Nevis vorn. Über die 90% hinaus kamen 2,5% der verkosteten Whiskys aus Deutschland (mit deutlich nach links verschobener Gauß-Kurve) und jeweils etwa 1% aus Dänemark und Irland.

Apropos Gottesgeschenk. Wodurch qualifiziert sich einen Whisky für mich als flüssiges Manna? Tja, wenn ich das bloß wüsste. 7 der 9 gottesgeschenkten Drams habe ich von mehr als 10 Jahren verkostet, und ich würde den einen oder anderen heute sicher anders bewerten. Immerhin scheinen mich Raucharomen nicht abzuschrecken, was ich ich von bitteren Noten nun wirklich nicht sagen kann. Insgesamt bevorzuge ich aber offensichtlich eine gewisse Aromenvielfalt in Whiskys. Süße, Rauch, Frucht, Holz, Salz … solange die Mischung harmonisch ist und zur Beschreibung auf dem Flaschenetikett passt: immer her damit.

Jetzt aber zur Nummer 1000.

Was soll es denn werden zum besonderen Anlass? Ein guter alter Caperdonich womöglich? Oder ein Dram aus dem hervorragenden Jahr 1972 – Glenglassaugh, Macallan, Glendronach oder Ardbeg vielleicht? Es soll auf jeden Fall ein Dram sein, der mir von den Eckdaten her gut schmecken wird. Ein Gottesgeschenk muss es dabei nicht unbedingt werden. Er muss sich nur der Gelegenheit würdig zeigen – also kein 4-jähriger Glen-ich-bin-neu-auf-dem-Markt.

Die Wahl fiel auf einen… Trommelwirbel… 72er Caperdonich aus dem Hause Gordon & MacPhail, 2008 in Fassstärke abgefüllt für La Maison du Whisky.

Ja, ich bin durchschaubar und die verführerisch klingenden Alternativen müssen sich noch 15 Jahre gedulden. Hier habe ich aber die Gunst der Stunde genutzt und konnte vor Kurzem bei einer Flaschenteilung einen Teil einer sonst unerschwinglichen Flasche abbekommen. Mein großer Dank geht (noch einmal) an Michael, der mir nicht nur einen Teil seines Anteils abgetreten hat, sondern für den Versand und die ordnungsgemäße Zustellung sogar noch ein paar Überstunden machen musste.

Hier der typische Steckbrief mit meinem Notizen:

Name Caperdonich Single Malt Whisky Caperdonich 36yo, Gordon & MacPhail, Cask 1976, 1972
Alter 36 Jahre (1972/2008)
Alkohol 49,9 %
Abfüller Gordon & MacPhail (für La Maison du Whisky)
Fassnummer 1976
Lagerung Sherry Butt
Sonstiges Nicht kühlgefiltert, kein Farbstoff
Region Speyside
WB-ID 3857
Kategorie Handwerkskunst

Farbe Zwischen Kastanie und Kaffee im Fläschchen, leuchtendes karminrot im Glas
Geruch Süßer Sherry, Beerenkompott, Vanille, Honig, Maggikraut, gebackene Pflaume, ein wenig Mandellikör und Marzipan, eingelegte Rosine, süßer brauner Rum, später etwas trockenes Laubholz, leicht säuerlich, Alkohol wird präsenter, Spuren von Klebstoff und Tabak, weiterhin Pflaume und (würzigerer) Sherry
Geschmack Wieder süßer Sherry, Malzbier, Pflaume, sanfte Würze, Trockenfrucht (Banane, Papaya), verhaltener (aber spürbarer) Alkohol, trockenes Holz, Nuss, würziger schwarzer Tee, wird trockener und bitterer, Nussschokolade, gesüßter Milchkaffee, ein Hauch von Minzfrische
Finish Recht lang, Sherry, Trockenfrucht, Schokolade, Malz, Nuss, Minze, Beeren, Kaugummi, dann dunkle Schokolade (zusammen: After Eight), ein wenig Orange, trocken und minzig

Aromen Frucht Getreide Süße Holz Würze Alkohol Rauch

Mein Fazit Vorab hatte ich ein wenig befürchtet, hier Aromen wie im Schwesterfass #1975 zu finden, nur mit weniger Alkohol. Natürlich drehte sich im Fass #1976 auch (fast) alles um Sherry, wie die Farbe schon angedeutet hat. Doch der Sherry lässt hier auch Spielraum für andere Aromen, die nicht vorwiegend hölzern sind. Zusammen mit dem deutlich verträglicheren Alkoholgehalt macht das einen großen Unterschied aus. In der Nase ist der Dram noch ziemlich eindimensional unterwegs, da fehlen mir eindeutig die Reife und die Zeichen des Alters. Danach bin ich mit der Mischung und der Intensität der Aromen aber mehr als zufrieden. Ein schöner Jubiläumsdram, mit geringen Abzügen in der A-Note.

So weit also die ersten 1000. Ob da noch weitere 1000 hinzukommen? Wohl eher nicht. Und wenn doch, dann dauert es bestimmt ein ganzes Stück länger als 15 Jahre. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass für mich auch die Kriterien „schmeckt“ und „schmeckt nicht“ für Alltagswhiskys ausreichend sind. Aber es gibt natürlich auch noch Whisky, mit dem ich mich (gerne) länger und intensiver beschäftigen kann. Es muss ja nicht immer Caperdonich sein.

Also dann, gehen wir es an…

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